Bauern in Sorge
Bangen um die Ernte

Das Lächeln von Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, täuscht: Die Bauern müssen mit einem massiven Einkommensrückgang rechnen. Bild: dpa

Berlin. Den Bauern drohen angesichts des Preistiefs bei wichtigen Produkten wie Milch das zweite Jahr in Folge drastische Einbußen. "Eine Trendwende ist im Moment nicht in Sicht", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied vor dem Bauerntag am 29. und 30. Juni in Hannover. "Wir befürchten, dass wir in diesem Jahr je nach Produktionsrichtung nochmals 15 bis 35, 40 Prozent Einkommensrückgang erleiden müssen", so Rukwied.

Tendenz: zu trocken


Mit Sorge blicken die Landwirte auch auf die nahende Ernte. "Stand heute gehen wir von einer durchschnittlichen Ernte bei Getreide und Raps aus", sagte Rukwied. Im Moment gebe es aber auch hier Marktdruck und deutlich schwächere Preise als 2015. Die Ernte zu prognostizieren, sei schwierig, sagte der Bauernpräsident. "Wir haben in vielen Regionen überdurchschnittlich hohe Niederschläge mit Ausnahme des Nordostens der Republik - da ist es in der Tendenz zu trocken." Entscheidend sei das Wetter in den nächsten zwei bis drei Wochen.

Die bayerische Staatsregierung sucht unterdessen im Kampf gegen den dramatischen Preisverfall bei Milch die Unterstützung Frankreichs. Agrarminister Helmut Brunner (CSU) hat sich daher in Paris mit seinem französischen Amtskollegen Stéphane Le Foll getroffen - und ist nach seiner Rückkehr zufrieden, dass die französische Regierung in eine ähnliche Richtung steuert wie die Staatsregierung. "Auch die Franzosen sind der Meinung, dass wir mit finanziellen Hilfen allein das Problem nicht lösen werden", sagte Brunner. "Wir müssen an die Beschränkung der Milchmenge ran."

Der Anlass für Brunners diplomatische Mission: Am 15. Juli wollen sich die deutschen Länderagrarminister mit EU-Agrarkommissar Phil Hogan, Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) und Le Foll in Brüssel zu einer Sonderkonferenz treffen, um nach einem Ausweg aus der Milchkrise zu suchen. Am 23. Juli tagt dann der Agrarrat der EU.
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