Bauern setzen auf den Faktor Hoffnung

"Lass Deiner Neugier freien Lauf - Grüne Woche" steht auf einem Plakat an einem Messegebäude in Berlin. Für Besucher ist die Schau vom 16. bis zum 25. Januar geöffnet. Bild: dpa

Zum Jahresauftakt herrscht bei der Grünen Woche in Berlin in der Agrar-Branche Skepsis: Die Weltmärkte drücken auf die Geschäftsaussichten. Und ein Schutzmechanismus fällt auch noch weg.

Bangen gehört für die Bauern immer dazu - dass die Aussaaten gut über den Winter kommen oder dass es keine Krankheiten im Stall gibt. Für 2015 ist der Faktor Hoffnung in der Kalkulation vieler Höfe aber noch größer. Nach drei starken Jahren macht der Branche ein Abschwung zu schaffen.

Preise eingebrochen

"Die Erwartungen sind gedämpft an das Jahr", sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Das liegt vor allem daran, dass die Preise, die Erzeuger erzielen können, auf breiter Front eingebrochen sind. Das gilt für Getreide ebenso wie für Schweinefleisch oder Obst. Dabei können viele Betriebe auf einer soliden Basis arbeiten. Im Schnitt stieg der Gewinn im Wirtschaftsjahr 2013/14 auf 67 300 Euro. Davon müssen aber Investitionen finanziert werden. Besser verdienten etwa Milchbauern, Ackerbauern verbuchten Einbußen.

Ausschlaggebend für die Preise sind längst die globalen Märkte, auf denen die Tendenz überwiegend nach unten zeigt. Denn gute Ernten in mehreren Erzeugerländern haben das Angebot vergrößert. Zudem drücken Schwächen der Weltkonjunktur die Nahrungs-Nachfrage. Dazu kommt die Ukraine-Krise. Als Antwort auf EU-Sanktionen hat Russland einen Importstopp für europäische Agrarprodukte verhängt. Das trifft nicht nur direkte Nachbarn wie Lettland, das diesjährige Partnerland der Grünen Woche. Auf den EU-Markt drängen zum Beispiel auch Äpfel aus Polen, die eigentlich gen Osten gehen sollten.

Unabhängig davon kommen auf Milchbauern neue Ungewissheiten zu. Denn Ende März fällt die EU-Milchquote weg. Diese sollte mit Obergrenzen für die Produktion eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. Trotzdem habe der Literpreis kräftig geschwankt, heißt es in der Branche. Dass nun wieder Milchseen und Butterberge drohen, befürchtet der Bauernverband aber nicht. Schließlich dürfte der weltweite Milch-Verbrauch generell zulegen. Was Landwirten Sorgen bereitet, könnte für Kunden an den Ladenkassen erfreulich sein. Denn nachdem Lebensmittel zeitweise spürbar teurer wurden, bremsen sie derzeit die Inflation.

"Initiative Tierwohl"

Ein Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel will die Haltungsbedingungen für Schweine und Geflügel in Deutschland verbessern. Dafür stünden in den kommenden drei Jahren 255 Millionen Euro bereit, kündigte die "Initiative Tierwohl" an. Landwirte, die ihren Tieren zum Beispiel mehr Platz bieten als es die Gesetze vorschreiben, sollen künftig aus dem Fonds Gelder beantragen können. Dafür müssen sie Verbesserungen bei der konventionellen Nutztierhaltung nachweisen. Der Fonds speist sich aus dem Fleisch- und Wurstverkauf.

Die beteiligten Handelsketten und Discounter zahlen dabei vier Cent pro Kilogramm Verkaufsmenge ein. Es bleibe dem Handel überlassen, ob er die Fleischpreise für diese Abgabe erhöhe, teilte der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels mit.
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