Bauern streiten um Mengenkürzungen bei Milchproduktion
Brunner contra Schmidt

Das pralle Euter einer Milchkuh: Deutschlands Landwirte pochen auf eine Drosselung der Milchmenge. Bild: dpa

Notleidende Milchbauern sollen Geld bekommen - doch die Probleme wird das auf Dauer nicht lösen, glauben die Landwirte. Nur wenn weniger Milch auf den Markt komme, sei ein Ende der Tiefpreise in Sicht. Doch welcher Weg aus der Krise führen könnte, ist weiter umstritten.

München. Nach der Zusage von Millionen-Hilfen vom Bund pochen deutsche Milchbauern auf eine bessere Steuerung der Milchmenge. Konkret könnten Landwirte, die sich zur Reduzierung ihrer monatlichen Lieferung verpflichten, zum Ausgleich Hilfsgelder aus dem Topf der Bundesregierung von insgesamt mindestens 100 Millionen Euro beziehen, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Hans Foldenauer. "Das käme bei den Bauern direkt an, und die Märkte würden direkt entlastet."

Nach entsprechenden Beschlüssen der Agrarministerkonferenz könnte ein solches System "sofort scharf geschaltet werden", sagte Foldenauer. Derzeit scheitere das aber am Widerstand von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Nötig seien aber vor allem auch Lösungen auf EU-Ebene, so der Sprecher.

Auch grüne Agrarminister aus sechs Bundesländern fordern in einem gemeinsamen Positionspapier zur Milchkrise ein Umsteuern der Bundesregierung. Im Kern geht es darum, dass Landwirte nur Hilfen bekommen sollen, wenn sie auf ihren Höfen weniger Milch produzieren.

Von Gipfel zu Gipfel


Am Dienstag will sich Schmidt mit seinen Kollegen aus den Bundesländern erneut treffen. Bereits am Montag steht in Bayern ein Agrargipfel zur Lage der krisengeschüttelten Bauern auf dem Programm. Die Staatsregierung erhöhte im Vorfeld den Druck auf den Bund. "Ich erwarte vom Bund, dass er über die bereits zugesagten Hilfen hinaus eine Führungsrolle einnimmt, wenn es um EU-weite Maßnahmen geht", sagte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU). "Schließlich stammt gut ein Fünftel der in Europa erzeugten Milch aus Deutschland." Bei den von Brunner angesprochenen "EU-weiten-Maßnahmen" geht es um eine Beschränkung der Milchproduktion durch Brüssel. Brunner verfolgt in der Milchkrise eine ganz andere Linie als sein Berliner Amtskollege und CSU-Parteifreund Schmidt. Der liegt seinerseits mit dem Bauernverband auf einer Linie, denn die größte deutsche Bauernorganisation will von einem Einschreiten Brüssels ebenfalls nichts wissen. Für ein Eingreifen der EU plädieren aber auch die mit dem Bauernverband konkurrierenden kleineren Verbände, neben dem BDM auch die Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (AbL).
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