Bausparkassen leiden unter EZB-Zinspolitik
Keine sichere Bank

Knirschen im Gebälk: Die Bauindustrie boomt, doch die Bausparkassen schwächeln. Wegen der Niedrigzinspolitik der EZB werfen klassische Bausparverträge kaum noch Gewinn ab. Bild: dpa

Bausparverträge gelten als eine typisch deutsche Form der Geldanlage. Knapp 30 Millionen solcher Verträge gibt es hierzulande. Doch die Branche kämpft.

Stuttgart. Das Bausparen werde "an den Rand des Abgrunds" getrieben, empört sich der Chef des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider. Sein Verband ist Eigner der Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg. Die Niedrigzinsen drückten "gewaltig auf die Erträge der Bausparkassen", sagt Andreas Zehnder vom Verband der Privaten Bausparkassen.

Das Geschäftsmodell basiert auf dem Versprechen niedriger Zinsen - spart man einige Jahre ein Guthaben an, bekommt man zur Belohnung ein niedrig verzinstes Baudarlehen. Was aber, wenn Niedrigzinsen keine Verlockung, sondern eine Selbstverständlichkeit sind? "Das Produkt Bausparen bleibt attraktiv, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen in zehn Jahren höher sind als heute", sagt Wüstenrot-Chef Bernd Hertweck. Er räumt ein, dass die Zinsen vorerst wohl nicht steigen werden. Erst kürzlich hatte EZB-Chef Mario Draghi das Leitzins-Rekordtief von null Prozent im Euroraum abermals bestätigt.

Niedrige Margen


Dennoch vermeldeten einige Institute 2015 Höchstwerte beim Neugeschäft, wie etwa die LBS Baden-Württemberg, die LBS Bayern und Wüstenrot. Durch die EZB-Niedrigzinsen und damit verbundenen geringeren Margen wird es aber schwieriger, dicke Gewinne zu machen. So musste etwa die LBS West 2015 einen Gewinnrückgang um gut 40 Prozent auf 10 Millionen Euro bekanntgeben. Der Vorsteuergewinn von Branchenprimus Schwäbisch Hall sank um zehn Prozent auf 341 Millionen Euro - trotz eines dicken Plus beim Neugeschäft.

Problem: Altverträge


Allen Instituten gemein ist das Problem der Altverträge - sie bringen Sparern hohe Guthabenzinsen, was für die Bausparkassen ein schlechtes Geschäft ist. Denn die Darlehen, die sich eigentlich an die Guthabenphase anschließen, werden nicht abgerufen, schließlich wären die ebenfalls hoch verzinst. Die Verbraucher kassieren lieber weiter Guthabenzinsen - zum Ärger der Kassen, denen Einnahmen aus dem Darlehensgeschäft fehlen. Seit 2015 flattern Bausparkunden Kündigungen solcher Verträge ins Haus, was rechtlich umstritten ist und zu Klagen geführt hat. Die Institute setzten zuletzt verstärkt auf andere Kreditformen - zunächst andere Darlehen mit Bezug zum Bausparen (Kombi-Darlehen). Seit Anfang 2016 dürfen sie auch klassische Hypothekendarlehen vergeben. Das seien "stinknormale 08/15-Kredite, die nichts mehr mit dem eigentlichen Geschäft einer Bausparkasse zu tun haben", moniert der Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim.

Verbandschef Zehnder aber sagt: "Auch wenn sie stärker von den neuen gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch machen - Bausparkassen bleiben Bausparkassen."
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