Bayer übernimmt Monsanto
Monsantos Marktmacht

Das Unternehmen Bayer aus Leverkusen hat am Mittwoch angekündigt, Monsanto zu übernehmen. 59 Milliarden Euro (66 Milliarden Dollar) soll der Kauf kosten - so viel wie keine andere Übernahme eines deutschen Konzerns zuvor. Monsanto hat deutlich weniger Umsatz und Mitarbeiter als Bayer - und steht unter anderem wegen Glyphosat in der Kritik. Grafik: dpa

Bayer-Chef Werner Baumann ist noch nicht einmal ein halbes Jahr im Amt. Doch mit der Monsanto-Übernahme ist der Manager dabei, dem Konzern auf Jahrzehnte hinaus seinen Stempel aufzudrücken. Allerdings ist Baumanns Coup nicht unumstritten.

Leverkusen/St. Louis. Nach monatelangen, harten Verhandlungen hat Bayer-Chef Werner Baumann sein Ziel erreicht. Die Monsanto-Führung hat der Übernahme durch den Leverkusener Konzern zugestimmt. Doch wird sich der 66-Milliarden-Deal für den Leverkusener Konzern tatsächlich bezahlt machen? Fragen und Antworten zu den Perspektiven der Übernahme:

Welche Dimension hat der Deal?

Es ist die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Mit einer Bewertung von 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro) stellt der Kauf selbst die später wieder aufgelöste "Hochzeit im Himmel" zwischen den Autobauern Daimler und Chrysler aus dem Jahr 1998 und die Übernahme des US-Telekommunikationsanbieters Voicestream durch die Deutsche Telekom im Jahr 2000 in den Schatten.

Was treibt den deutschen Konzern?

Durch den Zusammenschluss werden die Leverkusener auf einen Schlag zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen. Bayer sichert sich nicht nur wichtige Schlüsseltechnologien etwa bei genverändertem Saatgut, sondern kann auch von Monsantos führender Rolle beim sogenannten "digital farming" - der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft - profitieren.

Aber rechtfertigt das den hohen Preis?

Bayer-Chef Werner Baumann glaubt: Ja. Der Manager sieht angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung Wachstumschancen im Agrarbereich. Schließlich müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Die Menschheit müsse die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen. Bayer und Monsanto könnten Antworten geben.

Und was spricht gegen die Übernahme?

Zum einen das schlechte Image von Monsanto. Der US-Biotechnologiekonzerns steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Kritiker monieren außerdem die künftige Marktmacht von Bayer und Monsanto - diese gehe zulasten von Landwirten und Verbrauchern.

Welche Risiken beinhaltet die Übernahme sonst noch?

Im wesentlichen sehen die Experten zwei große Herausforderungen: Zum einen die unterschiedlichen Firmenkulturen. Das Beispiel Daimler-Chrysler hat gezeigt, dass auch mit großen Vorschusslorbeeren versehene transatlantische Firmenbündnisse scheitern können. Zum anderen ist der hohe Kaufpreis eigentlich nur zu rechtfertigen, wenn der zuletzt schwächelnde Markt für Saatgut und Agrarchemikalien in den nächsten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt. Doch ob dies wirklich zu erwarten ist, darüber sind Branchenkenner durchaus unterschiedlicher Meinung.

Die Übernahme ist also ein Risiko?

Das auf jeden Fall. Aber sie ist auch eine Chance für den Konzern. Denn sie rundet den Umbau von Bayer vom chemisch-pharmazeutischen Mischkonzern zum Spezialisten rund um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ab.

Welche Rolle spielt die Verschuldung?

Die Mega-Übernahme wird die Verschuldung der Leverkusener zumindest kurzfristig kräftig in die Höhe treiben. Angesichts der globalen Niedrigzinsen und eines erwarteten robusten Barmittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft erscheint dies vielen Experten aber tragbar.

Ist die milliardenschwere Übernahmen jetzt endgültig unter Dach und Fach?

Noch nicht ganz. Zwar hat die Monsanto-Führung jetzt eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet, doch auch die Aktionäre von Monsanto müssen dem Geschäft noch zustimmen und sich bereiterklären, ihre Aktien zum von Bayer gebotenen Preis von 128 Dollar je Aktie zu verkaufen. Allerdings gilt dies als sehr wahrscheinlich. Immerhin bedeutet das Angebot einen Aufschlag von 44 Prozent gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden der Bayer-Übernahmepläne. Außerdem müssen die Kartellbehörden noch grünes Licht geben.
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