"Bayernwerk AG Nürnberg: Sonne liefert den Strom für ""Gänsebraten-Spitze"""
Weihnachten und Festtagsbraten

Weihnachten und Festtagsbraten - beides gehört in den meisten bayerischen Familien untrennbar zusammen. Dass die Tradition lebt, spüren alljährlich die bayerischen Stromversorger. Dann schnellt der Stromverbrauch hoch - es kommt zur «Gänsebraten-Spitze». Bild: dpa

Nürnberg. (dpa/lby) Auch wenn sie längst nicht mehr so ausgeprägt ist wie noch vor ein paar Jahren, der Energieversorger Bayernwerk AG erlebt sie fast jedes Jahr aufs Neue: die «Gänsebratenspitze» am ersten Weihnachtstag. Sie beginnt morgens um 9 Uhr und erreicht gegen 11 Uhr ihren Höhepunkt - dann, wenn die letzten Haushalte ihren Festtagsbraten in die Backröhre geschoben haben, berichtet Bayernwerk-Sprecher Maximilian Zängl.

Dann schnellt der Leistungsbedarf im süd- und ostbayerischen Versorgungsgebiet der Bayernwerk AG um rund 500 auf 6500 Megawatt hoch. «Das ist die Leistung eines mittleren Kraftwerks, wie beispielsweise Zolling», beschreibt der Bayernwerk-Sprecher. Daran sehe man: «Die Tradition der Weihnachtsgans ist ungebrochen.» Die Zeiten, in denen dafür tatsächlich einzelne Kraftwerke hochgefahren wurden, sind nach Zängls Angaben allerdings längst vorbei. In den letzten Jahren hätten Windkraft und Sonnenstrom den erhöhten Bedarf am Ersten Weihnachtstag abgedeckt. Die 250 000 Photovoltaikanlagen im Einzugsbereich der Bayernwerk AG hätten bei Sonne eine Gesamtleistung von 5300 Megawatt. Am ersten Weihnachtstag 2012 flos so viel Solarstrom ins Netz, «dass wir für das Braten der bayerischen Weihnachtsgänse kaum zusätzlichen Strombedarf aus konventionellen Kraftwerken hatten», sagt Zängl.

Weihnachtliche Stromspitze

Die weihnachtliche Stromspitze machte auch Werner Brückner nicht nervös. Er ist beim fränkischen Energieversorger N-ERGIE Chef der Netzführung und damit verantwortlich dafür, dass die 650 000 Firmen- und Haushaltskunden stets den Strom bekommen, den sie gerade benötigen. Weihnachten ist für ihn und seine Kollegen, die an 20 Bildschirmen rund 26 000 Kilometer Stromnetz überwachen, eher ein ruhiger Tag. «Sonst fahren wir die Stromleitstelle mit vier Personen pro Schicht, an Weihnachten sind es nur zwei», berichtet er.

Das liegt wohl daran, dass die «Weihnachtsspitze» bei der N-ERGIE seit Jahren immer flacher ausfällt. Sie hatte 2010 bei 815 Megawatt gelegen, sank bis 2012 auf 601 Megawatt und stieg im vergangenen Jahr wieder leicht. «Die höchste Netzlast haben wir gar nicht an Weihnachten, sondern Ende November oder Ende Januar - dann, wenn es dunkel und kalt ist und alle Betriebe voll arbeiten», erläutert die Leiterin Netzzugang bei der N-ERGIE, Anne Meyer. Dann kann die Höchstlast - wie im Jahr 2012 - schon mal auf fast 1400 Megawatt steigen.

Geschäftsführer ist gelassen

Gelassen blickt auch der Geschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), Detlef Fischer, auf die bevorstehenden Festtage. Das hängt auch mit der Lage der Feiertage zusammen: «Wir haben in diesem Jahr Heiligabend an einem Mittwoch. Da ist dann alles viel gestreckter», ist Fischer überzeugt. Aber auch sonst sei die Weihnachtsspitze für die bayerischen Energieversorger undramatisch: «Bayernweit liegt die Höchstlast an den Weihnachtsfeiertagen bei rund 9000 Megawatt, an normalen Wochenenden aber auch schon bei 8000 Megawatt», gibt Fischer zu bedenken.

Problem der Überkapazitäten

In den vergangenen Jahren hätten die Energieversorger an Weihnachten eher ein anderes Problem gehabt: Statt wie früher Kraftwerkskapazitäten zuschalten zu müssen, hätten die Unternehmen angesichts des reichlich eingespeisten Solarstroms sogar mit Überkapazitäten gekämpft. Die Folge: Der Strom sei am zweiten Weihnachtstag für ein paar Stunden unverkäuflich gewesen. Erst als die Stromversorger noch Geld drauf legten, fanden sich Abnehmer für die überschüssige Solarenergie in den Niederlanden und Österreich, erinnert sich Fischer.

Aufgaben der Netzleitstellen verändert

Mit der schwankenden Stromproduktion hat sich nach Fischers Angaben auch die Aufgabe der Netzleitstellen an den Feiertagen verändert. Früher wurde «die Energie quasi per Knopfdruck bedarfsgerecht bereitgestellt», indem zur Weihnachtsspitze etwa Gaskraftwerke hochgefahren wurden. Heute entscheide die Wetterlage, woher der Strom für den Festtagsbraten kommt. Das mache die Sache für die Leitstellen oft nicht einfach, macht Fischer deutlich. Klar sei die Sache für die Stromversorger nur bei Nebel und bei Windstille: «Dann läuft das halt wie vor 10 bis 15 Jahren.»
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