Befürchtungen bestätigt
Commerzbank streicht Tausende Stellen

Einen großen Umbau mit Stellenabbau plant die Commerzbank. Archivbild: dpa
 
Commerzbank-Chef Martin Zielke. Archivbild: dpa

Die Commerzbank setzt - mal wieder - den Rotstift an. Nach dem Milliardengewinn 2015 ist die deutsche Nummer zwei auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen. Vorstandschef Martin Zielke steuert um.

Frankfurt. Mit einem harten Sparkurs und einem radikalen Umbau will Zielke die Bank aus der Krise führen. Bis Ende 2020 sollen unter dem Strich 7300 der derzeit gut 45 000 Vollzeitstellen wegfallen. Das teilte die Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Dabei will der teilverstaatlichte Konzern 9600 Stellen streichen und gleichzeitig rund 2300 neue Arbeitsplätze in Wachstumsfeldern schaffen. Die endgültigen Entscheidungen will der Vorstand nach Beratungen mit dem Aufsichtsrat heute treffen. Ob es betriebsbedingte Kündigungen geben wird, ließ die Bank zunächst offen. Die Bank rechnet damit, dass das Sparprogramm über die Jahre rund 1,1 Milliarden Euro etwa für Abfindungen kosten wird. Um dies zu finanzieren, müssen die Aktionäre vorerst auf eine Dividende verzichten. Ein Großteil der neuen Strategie war bereits in den vergangenen Tagen durchgesickert.

Wie die Konkurrenz kämpft die Commerzbank mit den Folgen des anhaltenden Zinstiefs und deutlich verschärften Auflagen der Aufseher. Im ersten Halbjahr brach der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein. Schon in den vergangenen drei Jahren hatte die Bank unter Zielkes Amtsvorgänger Martin Blessing etwa 5000 Stellen gestrichen.

Zwei Geschäftsfelder


Künftig will sich die Commerzbank auf zwei Geschäftsfelder konzentrieren: Privatkunden sowie Firmenkunden. Dazu werden die Segmente Mittelstandsbank und das Investmentbanking gebündelt und das schwankungsanfällige Handelsgeschäft eingedampft. Zudem sollen kleinere Unternehmenskunden vom Privatkundenbereich betreut werden. So will das Management Risiken reduzieren. Auch Investitionen sind geplant. So will die Bank ihre Aufgaben automatisieren. Rund 80 Prozent der Prozesse sollten künftig digital ablaufen. Davon verspricht sich das Management "Effizienzgewinne". An ihrem Filialnetz will das Institut nach früheren Aussagen festhalten.

Im Zuge des erneuten Schrumpfkurses muss die Bank bereits in der Bilanz für das dritte Quartal Abschreibungen von rund 700 Millionen Euro vornehmen. Deshalb erwartet sie in der Zwischenbilanz einen Verlust. Für das Gesamtjahr rechnet die Commerzbank dennoch mit einem kleinen Überschuss. Durch den Umbau will die Bank auch ihre Kapitalpolster stärken. Nach einem Rückgang der harten Kernkapitalquote im zweiten Quartal auf 11,5 Prozent soll dieser Puffer gegen Schieflagen im dritten Quartal wieder steigen. Zum Jahresende rechnet die Bank mit einer Quote von knapp 12 Prozent. Bis 2020 soll der Wert, der die Risikopositionen der Bank ins Verhältnis zum Eigenkapital setzt, weiter steigen.

Staat bis heute beteiligt


Die Commerzbank war nach der Übernahme der Dresdner Bank kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 ins Schleudern geraten. Mit mehr als 18 Milliarden Euro Steuergeldern rettete der Staat das Institut. Bis heute ist der Bund mit gut 15 Prozent an der Bank beteiligt. Von den Folgen der Krise erholte sich der Konzern nur langsam. 2015 schrieb die Commerzbank wieder einen Milliardengewinn und Vorstandschef Blessing konnte sich in diesem Frühjahr mit der ersten Dividende seit 2007 verabschieden. Doch schon damals wackelte das Vorhaben, den Milliardengewinn 2016 zu wiederholen, im Sommer kassierte der neue Konzernchef Zielke dieses Ziel.
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