Begehrter Mittelstand

Deutschland ist stolz auf seine mittelständischen Unternehmen. Auch bei den Investoren an der Börse stehen beispielsweise Maschinenbauer hoch im Kurs. Deren Aktien sind in diesem Jahr gut gelaufen, besser als die vieler Großkonzerne. Das hat gute Gründe.

Alle Welt redet von der Rekordjagd des Dax und übersieht dabei leicht, dass auch der MDax eine Bestmarke nach der anderen reißt. Am Freitag hat der Index der mittelgroßen börsennotierten Unternehmen Deutschlands erstmals die 20 000 Punkte übersprungen. Er ist seinem großen Bruder seit Jahresbeginn enteilt: Der MDax legte gut 18 Prozent zu, der Dax schaffte rund 15 Prozent. Der MDax ist die zweite Börsenliga in Deutschland. Hier sind exportstarke Mittelständler vertreten, die vom niedrigen Euro-Kurs profitieren - oftmals führende Branchenvertreter in lukrativen Marktnischen wie der Lackieranlagen-Spezialist Dürr oder der Getränkeabfüllanlagen-Spezialist Krones. Auch sind eine Handvoll Immobilienfirmen im MDax vertreten, deren Kurse vom Boom auf dem Häusermarkt stark angetrieben wurden.

Keine Belastungsfaktoren

Auch für die weitere Entwicklung sind die Experten optimistisch. "Der Mid-Cap-Sektor ist historisch gesehen ambitioniert bewertet, viele Titel sind heiß gelaufen", räumte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research zwar ein. "Trotzdem greifen die Investoren beim MDax weiter zu." Denn hier fehlten großteils Belastungsfaktoren wie Banken oder Energieversorger. Die beiden Branchen hatten unter der Euro-Schuldenkrise beziehungsweise der Wende in der deutschen Energiepolitik gelitten. Der einzigen Bank im MDax, dem Immobilienfinanzierer Aareal Bank, bescheinigte Saurenz eine "hervorragenden Performance". Auch die Aktien im MDax profitieren vor allem von der Geldschwemme der Notenbanken. Die hohe Liquidität drängt die Anleger zum Kauf von Dividendenpapieren, da Anleihen und Tagesgeld wegen der Mini-Zinsen kaum noch Rendite abwerfen.

"Doch jetzt bekommt die Liquiditätsrallye endlich auch Substanz", sagt Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Er verwies auf das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima, das im Februar zum vierten Mal in Folge gestiegen war. Für das Konjunkturbarometer seien schließlich vor allem mittelständische Unternehmen befragt worden - und das zu einem Zeitpunkt, als sich sowohl der Ukraine-Konflikt als auch der Schuldenstreit zwischen Griechenland und der EU verschärft hätten.
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