Berichte: Fusionspläne von Prosieben und Springer - Debatte über publizistische Macht
Mediengigant vor Geburt?

Obwohl beide Konzerne die Medienberichte nicht kommentieren wollen, scheint sich eine Fusion von Prosieben-Sat1 und dem Springer-verlag anzubahnen. Bild: dpa
Es könnte die größte Medienfusion in Deutschland werden: Axel Springer ("Bild", "Die Welt") und Prosieben-Sat1 prüfen den Zusammenschluss beider Unternehmen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte der dpa, die Gespräche seien in einem frühen Stadium. Zuvor hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Fusionsgespräche berichtet. Offiziell äußerten sich beide Seiten nicht.

Bei einem Gesamtumsatz von sechs Milliarden Euro und einem Börsenwert von rund 14,4 Milliarden Euro wäre der neue Gigant die Nummer zwei hinter Bertelsmann (RTL, Gruner+Jahr). Beim Marktwert liegen die Unternehmen weit auseinander: Bei Prosieben sind es rund 9,7 Milliarden Euro, bei Springer etwa 4,7 Milliarden. Eine Fusion müsste hohe Hürden überwinden. Springer hatte schon 2006 eine Übernahme von Prosieben-Sat1 geplant, dies war aber vom Bundeskartellamt untersagt worden. Ein Zusammenschluss hätte zu einer zu großen Marktmacht geführt. Denkbar wäre, dass angesichts der technologischen Entwicklung die Frage der publizistischen Macht bei den Kartellwächtern keine so starke Rolle mehr spielt. Ein Szenario könnte die ausschließliche Fusion der Digitalsparten sein.

Wohl keine Übernahme

Eher unwahrscheinlich wäre, dass Springer durch Prosieben-Sat1 übernommen wird. Da wären die Widerstände bei Mehrheitsaktionärin Friede Springer wohl zu groß, sagte eine Insiderin. Auch Springer dementierte am Dienstag Spekulationen, dass die Verlegerin die Kontrolle abgeben könnte. Im Gegenteil: Die Axel Springer SE arbeite unverändert an der Umwandlung der Rechtsform in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die die Position Friede Springers langfristig sichere. Während Anleger die Nachricht schon feierten, äußerte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Bedenken. Ein Zusammenschluss würde eine erhebliche Medienmacht in einer Hand bündeln, teilte der Bundesvorsitzender Michael Konken mit. Folge könnten Zusammenlegungen sein, die die Medienvielfalt reduzieren.

Unter Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat sich das Medienhaus auf die Digitalisierung seiner Angebote konzentriert und Traditionstitel verkauft. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Springer im Netz, auch mit Immobilien- und Jobportalen. Auch Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von Prosieben-Sat1, treibt durch Portale die Vernetzung des TV-Geschäfts voran.
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