Beschäftigte der chemischen Industrie erhalten in zwei Stufen mehr Geld
Erneut Abschluss ohne Streiks

Handschlag nach dem Abschluss: Georg Müller (links), Verhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie und Peter Hausmann, Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE). Bild: dpa

Lahnstein. Die rund 550 000 Beschäftigten der chemischen Industrie bekommen deutlich mehr Geld. Gewerkschaft und Arbeitgeber einigten sich für die Tarifmitarbeiter in der drittgrößten deutschen Industriebranche auf eine zweistufige Erhöhung. Zunächst gibt es 3,0 Prozent mehr, nach 13 Monaten steigen die Bezüge noch einmal um 2,3 Prozent. Dies teilten beide Seiten am Donnerstag nach Verhandlungen in Lahnstein bei Koblenz (Rheinland-Pfalz) mit. Damit gelang in der Branche erneut ein Abschluss ohne Streiks. Die Tarifpartner beschlossen zudem ein Programm zur Berufsvorbereitung angehender Lehrlinge.

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE, Peter Hausmann, sagte: "Wir haben einen guten Kompromiss erzielt, das Ergebnis entspricht der Lage in der chemischen Industrie. Die Prozentzahlen können sich auch im Branchenvergleich sehen lassen." Für die Unternehmen sei der Abschluss zweifellos ein Kraftakt, der nur durch die lange Laufzeit tragbar sei, erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitergeberseite, Georg Müller. Kriselnde Chemie-Unternehmen können die Entgelterhöhungen um bis zu zwei Monate verschieben.

Mit dem Abschluss von Lahnstein ist die Einigung für die letzte wichtige Industriesparte für dieses Jahr tariflich unter Dach und Fach. Nun folgen noch mit den Bankangestellten und der Deutschen Bahn zwei große Dienstleistungsbereiche, bevor zum Jahresende die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst der Länder und für die mehr als 400 000 Leiharbeiter auslaufen.

In diesem Tarifjahr hatten bereits die Metall- und Elektroindustrie für 3,8 Millionen Beschäftigte sowie der Bau für 785 000 Arbeiter langfristige Einigungen erzielt, die wie der Chemie-Abschluss bei vergleichsweise geringer Inflation zu kräftigen Reallohnsteigerungen führen dürften. Alle Verträge sind zudem auf annähernd zwei Jahre abgeschlossen.
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