Betriebsversammlung in der Luitpoldhütte
"Werden niemals aufgeben"

Horst Ott (links) und Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack (rechts) beschrieben am Nachmittag im Gewerkschaftshaus die Stimmung in der Belegschaft. Beide hatten an der vormittäglichen Betriebsversammlung in der Luitpoldhütte teilgenommen. Bild: Huber
Amberg. (ben) "Die Luitpoldhütte ist über 130 Jahre alt, hat zwei Weltkriege, etliche Krisen und unzählige Vorstände überlebt, sie wird auch die Insolvenz meistern." Darin waren sich Horst Ott von der IG Metall und LH-Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack am Montagnachmittag einig.

Beide sagten dies nach der von über 400 Beschäftigten am Vormittag in der Halle der Kernmacherei besuchten Betriebsversammlung. Eine Veranstaltung, die wohl bei allen Beteiligten Eindruck hinterlassen hat. Ott sprach gar von einer "irre aufmerksamen Stimmung", wie er sie so in der Luitpoldhütte (LH) noch nie erlebt habe. Großen Anteil daran schrieb er Christian Zwack ebenso zu wie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl.

Zu 100 Prozent

Der Rechtsanwalt aus Nürnberg sei mit seinem kompletten Team angereist gewesen: "Das war für uns alle das Signal, dass sich hier professionell um das Thema gekümmert wird", unterstrich Ott und fügte aus IGM-Sicht hinzu: "Was er als Ziel hat, ist zu 100 Prozent auch unser Ziel." So habe Ampferl dargelegt, dass der Erhalt der Arbeitsplätze Priorität genieße und die Produktion auch 2016 weiterlaufe. Zudem glaube die Belegschaft, dass es Ampferl gelingen werde, einen Käufer für die Gießerei zu finden, so wie er es ankündigt.

Vorstandsvorsitzender Thomas Lehner habe, laut Ott, zuvor geschildert, wie die aktuelle Entwicklung gelaufen sei. Demnach sei man nach der Betriebsversammlung vom 7. August (AZ berichtete) durchaus guter Dinge gewesen, weil die russischen Anteilseigner anklingen hatten lassen, Gelder zur Fortführung des Werkes locker zu machen. Auch die Banken seien Gewehr bei Fuß gestanden. Und der Minderheitseigner, der Freistaat Bayern, habe ebenfalls Unterstützung zugesichert.

Zukunft für Unternehmen

Dann aber hätten die Russen - "und damit meine ich die Handelnden und nicht die Nation" - einmal mehr nicht Wort gehalten. Dies ließ den Gewerkschafter am Montag zu der Erkenntnis gelangen: "Ich bin froh, dass wir diesen unseriösen Anteilseigner los sind. Denen traue nicht einmal das Führen einer Frittenbude zu", wurde Ott deutlich. Das Insolvenzverfahren sah er durchaus als eine Chance für die Zukunft des Unternehmens an. Aber auch die optimistische Stimmung in der Belegschaft war für Ott ein Beleg für eine gute Entwicklung.

Anteil daran hätten nicht zuletzt Betriebsratsvorsitzender Zwack und sein Gremium. Dieser habe T-Shirts mit der Aufschrift "Wir sind die Luitpoldhütte" verteilt, um so ein Zeichen der Solidarität untereinander und mit der Gießerei zu setzen. "Wir waren krank wie ein Patient", verdeutlichte Zwack, "jetzt haben wir das richtige Medikament bekommen." Die Beschäftigten seien stolz darauf, in der LH arbeiten zu dürfen. "Schließlich war bei vielen der Vater und auch der Opa schon hier."

Wichtiger Wert

IGM-Bevollmächtigter Ott sah in all dem, dass die LH in der Region sowohl emotional als auch kulturell einen wichtigen Wert darstelle. Binnen weniger Tage habe sich gezeigt, welch guten Ruf die Luitpoldhütte überall genieße. Dies hätten Anrufe aus dem Finanzministerium, aus dem Amberger Rathaus, aus den vielfältigen Verästelungen der regionalen Wirtschaft, aber auch von Kunden und sogar von der Konkurrenz aus der Branche bewiesen. "Sie alle haben ihre Hilfe angeboten", beschrieb Ott die vielfältigen Reaktionen. BR-Vorsitzender Zwack rundete das noch ab, als er formulierte: "Wir kämpfen mit Leidenschaft - auch wenn wir dann verlieren sollten: Wir werden niemals aufgeben."
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