Betrüger geben sich als Interpol und Dortmunder Polizei aus: Frau überweist hohen Geldbetrag
Anruf von "Interpol"

Symbolbild: dpa

Grafenwöhr. An Dreistigkeit ist das fast nicht zu überbieten. Mit immer neuen Maschen gaukeln Betrüger ihren Opfern falsche Fakten vor. Im Fall, über die Polizei heute berichtet, gaben sie sich sogar als Mitarbeiter von Interpol sowie der Dortmunder Polizei aus. Dafür verwendeten sie bei den Anrufen sogar deren Telefonnummern. Für einen Gewinn in Höhe von 84.000 Euro bezahlte eine Frau in drei Überweisungen insgesamt 17.300 Euro für angebliche Sicherheits- und Anwaltskosten.

Im vergangenen Jahr nahm die Frau ein Probeabonnement einer deutschen Zeitschrift an. Damit war auch ein Gewinnspiel verbunden. Etwa Mitte Januar diesen Jahres erhielt die Frau aus Grafenwöhr einen Anruf, in dem ihr ein Gewinn von 48.000 Euro versprochen wurde. Dafür solle sie jedoch 700 Euro an Sicherheitskosten im Voraus bezahlen, so die Anruferin. Die „Gewinnerin“ bekundete ihre Bereitschaft den Betrag zu bezahlen. Am nächsten Tag kam ein erneuter Anruf mit dem Hinweis, dass ein Zahlendreher vorliegen würde. Der Gewinn erhöht sich auf 84.000 Euro. Der einzige Haken dabei, sie müsse dafür 6.000 Euro an Voraus-Kosten tragen. Die Grafenwöhrerin ging zu einer örtlichen Bank und überwies die geforderte Summe an einem Empfänger im Kosovo.

Trotz Warnungen Geld überwiesen

Am nächsten Tag kam schon der nächste Anruf der Unbekannten. Weitere 6.000 Euro plus 260 Euro für die bevorstehende Auszahlung des Gewinn wären erforderlich. Den Gewinn im Hinterkopf überwies die Frau erneut an eine Adresse im Kosovo - trotz Warnungen des Mitarbeiters der Bank. Es ging munter weiter, als am nächsten Tag ein erneuter Anruf von Interpol einging. Eine Dame am Telefon sprach von einer Fangschaltung, die den Verdacht eines Betruges begründet. Sie sprach davon, dass die Frau auf eine Betrügerbande reingefallen sei. Sie solle sich aber keine Sorgen machen. Es bestehe die Aussicht, dass sie das Geld wiederbekommen wird. Sie bat jedoch, bei weiteren Geldforderungen erneut Überweisungen zu tätigen, was die vermeintlich Geschädigte richtigerweise verneinte und das Telefongespräch beendete.

Drei Überweisungen mit insgesamt 17300 Euro

Auf dem Höhepunkt der Transaktionen erreichte die Frau ein Anruf von der Polizei Dortmund. Ein angeblicher Beamter teilte ihr mit, dass im Kosovo zwei Männer wegen Betrügereien festgenommen wurden. Er berichtete von ihren Überweisungen und stellte ihr in Aussicht, das Geld zurückzubekommen. Dafür müsste jedoch ein Anwalt eingeschaltet werden, der für seine Dienste über 5.000 Euro im Vorfeld fordere. Die Frau befolgte den Rat und überwies erneut die Summe. Zwischenzeitlich summierten sich die drei Überweisungen auf 17.300 Euro. Erst beim Rückruf unter der angezeigten Nummer der Polizei Dortmund flog die Sache auf. Tatsächlich landete sie mit dem Rückruf bei der Polizeidienststelle. Als sie namentlich nach dem Kollegen fragte, stellte sich heraus, dass es diesen Kollegen in Dortmund gar nicht gibt. Nach der Schilderung der Geschichte empfahl ihr ein echter Beamter, die Polizei in Eschenbach zu kontaktieren. Nach der Anzeigenaufnahme übernahm nun die Kriminalpolizei Weiden die weitere Sachbearbeitung.

Perfektes Deutsch und deutsche Nummer

Die Polizei berichtet weiter, dass die Anrufer allesamt ein akzent- und dialektfreies Hochdeutsch sprachen. In allen Fällen wurde eine deutsche Telefonnummer angezeigt. Sogar die Nummer der Polizei Dortmund war korrekt. Nach den bisherigen Ermittlungen lässt diese Vorgehensweise den Verdacht auf das sogenannten „Call ID Spoofing“ zu. Dazu benutzen Betrüger die Internettelefonie. Die tatsächlichen Rufnummern der Betrüger werden unterdrückt und stattdessen mit existierenden Nummern - wie etwa von Polizeidienststellen - ersetzt.
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