Betrügerische Protze

Im Februar 2013 griffen die Ermittler zu: In Frankfurt durchsuchten sie unter anderem eine Villa der Firmengruppe S&K. Archivbild: dpa

Vor dem Landgericht in Frankfurt beginnt der Prozess gegen die beiden Gründer der Immobilienfirma S&K - einer der größten Betrugsfälle in der deutschen Kriminalgeschichte mit Tausenden von Geschädigten.

Zweieinhalb Jahre nach der entscheidenden Razzia, bei der auch eine Anwaltskanzlei in Regensburg durchsucht wurde, müssen sich die Firmengründer Stephan S. (36) und Jonas K. (34) sowie vier weitere Angeklagte wegen schweren Betrugs und schwerer Untreue verantworten. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Laut Anklage sollen die Männer mehrere tausend Anleger mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem um ihr Geld gebracht haben.

240 Millionen Schaden

Den Gesamtschaden beziffern die Ermittler auf über 240 Millionen Euro. Die S&K-Verantwortlichen sollen ein Schneeballsystem mit systematisch überbewerteten Immobilien aufgebaut haben. Geschädigt wurden laut Staatsanwaltschaft rund 11.000 Direktanleger sowie eine unbekannte Anzahl weiterer Investoren, die über Fonds bei S&K investiert hatten. Rund 1300 Opfer lösten ihre Lebensversicherungen auf, um bei S&K einsteigen zu können.

Für Schlagzeilen sorgten aber nicht allein die Dimensionen des Betrugs, sondern auch der großkotzige Lebenswandel der noch jungen Protagonisten. Schwere Uhren, protzige Villen, dicke Sportwagen, Partys mit Popstars und bezahlten Mädchen gehörten zum Lebensstil der angeblichen Immobilienkaufleute.

S. war den Ermittlern zufolge im Besitz von mehr als zehn Kilogramm Gold und nicht weniger als acht Uhren der Marke Rolex. Sein Kompagnon K. besaß unter anderem ein Motorrad im Wert von 100 000 Euro. Mit rund 55 Millionen Euro decken die sichergestellten Vermögenswerte inklusive der Grundstücke aber nur den kleineren Teil des Schadens ab.

2200 Konten analysiert

Das Verfahren sprengt selbst bei der erfahrenen Frankfurter Justiz alle bekannten Dimensionen. "Wir haben 100 Terabyte von E-Mail-Material auswerten müssen. Das entspricht, in Papier ausgedruckt, in etwa der Entfernung von Frankfurt nach Rom", berichtete Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber bei der Vorstellung der Anklage. Zur S&K-Gruppe gehörten 150 Unternehmen, etwa 2200 Bankkonten hatten die Ermittler zu analysieren. Herausgekommen ist eine Anklageschrift mit 3150 Seiten, von denen über 1700 als Anklagesatz zu Prozessbeginn verlesen werden sollen, was alleine mehrere Verhandlungstage dauern kann.

Die Anklage markiert aber nur den Beginn einer ganzen Prozess-Serie, ist sich die Justiz sicher. Insgesamt wurde gegen 140 Verdächtige ermittelt, darunter neben Notaren, Gutachtern, Steuerberatern und Anwälten auch Beschäftigte des TÜV Süd in München. Dessen Prüfsiegel prangte auf den S&K-Broschüren, um Seriosität vorzutäuschen.

Die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer hat für den Prozess gegen die Hauptbeschuldigten zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt, weil von den Angeklagten kaum Kooperation zu erwarten ist. Alle sechs sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft, berichtet die Staatsanwaltschaft.
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