Bewegung an Finanzmärkten
Börsen-Analyse

Die Aktienmärkte sind in den letzten Monaten sehr gut gelaufen. Seit einigen Wochen ist eine verstärkte Unsicherheit eingetreten, die länger anhalten wird.

Zum Thema Griechenland: Tatsache ist, dass Griechenland viele Jahre weit über seine Verhältnisse gelebt und enorme Schulden angehäuft hat, die niemals zurückbezahlt werden. Da kaum Wirtschaftskraft vorhanden ist, aber die Ansprüche immer noch viel zu hoch sind, wird das Land permanent neues Geld brauchen. Ein Ausscheiden aus der Euro-Zone ist wenig wahrscheinlich, da die Politik in Europa das um nahezu jeden Preis vermeiden möchte. Vielmehr dürfte das Land nach unendlichen Verhandlungen und minimalen Zusagen frische Gelder von den Euro-Ländern und somit von den deutschen Steuerzahlern bekommen. Daher ist auch das Schreckgespenst eines Grexits auf den Finanzmärkten etwas gewichen.

Die aktuelle Verunsicherung an den Finanzmärkten kommt von anderen Seiten. Für Unruhe sorgen die starken Bewegungen an den Devisenmärkten. Im Zuge eines weltweiten Wettlaufs um eine Schwächung der eigenen Währung zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten ist der Euro gegenüber dem US-Dollar in den letzten Jahren extrem stark von 1,60 auf 1,04 Euro gesunken. Ursache war die gegensätzliche Wirtschaftsentwicklung - starke US-Wirtschaft, schwächere Euro-Konjunktur - aber auch die zuletzt expansivere Geldpolitik der EZB.

Keinen geringen Einfluss hatten dabei die europäische Politik und die EZB. Hier wurde von beiden Seiten ein schwacher Euro geradezu herbei gebetet. Das hat die Kaufkraft unseres Euro-Vermögens gemindert, aber der deutschen Exportindustrie enorm gut getan. Als nun alle auf ein Unterschreiten der Parität von Euro gegen US-Dollar gewartet haben, trat wie so häufig an den Finanzmärkten das Gegenteil ein. Der Euro ist rasch auf derzeit 1,11 stark angestiegen. Das ließ die Sorge an den Finanzmärkten aufkommen, dass die hervorragende Gewinnsituation der Exportunternehmen zu Ende gehen könnte. Daher wurden diese Aktien verstärkt verkauft.

Ein weiterer plötzlicher Unsicherheitsfaktor war der Rentenmarkt. Nachdem alle darauf gewartet haben, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei zuletzt 0,08 Prozent auf Null oder gar in den negativen Bereich gehen könnte, kam die Gegenbewegung. Das brachte starke Verluste bei den langlaufenden Anleihen. Es zeigt sich, dass es an den Finanzmärkten niemals eine Einbahnstraße gibt. Dennoch werden die Zinsen noch lange Zeit extrem niedrig bleiben. Die Politik in Europa braucht und will Zinsen nahe Null. Die EZB hilft dabei mit einer extrem expansiven Geldpolitik.

Diese Spannungsfelder werden in den nächsten Monaten zu verstärkten kurzfristigen Bewegungen an den Finanzmärkte führen. Daher sollte man sehr besonnen und gezielt agieren.

Der mehrfach ausgezeichnete Fondsmanager Robert Beer (Parkstein) analysiert regelmäßig die Anlagemärkte.
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