Billiggeld-Politik
Japans Zentralbank vergrößert Spielraum

Die japanische Zentralbank ist für Überraschungen gut. Jetzt läutete sie eine neue Phase ihrer Billiggeld-Politik ein, um mehr Flexibilität bei der Ankurbelung der Wirtschaft zu gewinnen. Die Börse legt zu.

Tokio. Die japanische Zentralbank will ihre Billiggeld-Politik künftig flexibler handhaben. Statt ihr ohnehin schon massives Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen auszuweiten, überraschte die Bank of Japan (BoJ) am Mittwoch die Finanzmärkte mit einem neuen langfristigen Zinsziel. So soll der langfristige 10-Jahres-Zinssatz bei etwa null Prozent gehalten werden. Der kurzfristige Zins bleibt vorerst bei minus 0,1 Prozent. Die Geldmenge werde zudem weiterhin so lange ausgeweitet, bis das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht sei, entschied die BoJ. Damit verschafft sich die japanische Zentralbank mehr Spielraum bei dem Versuch, die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. In Reaktion auf die neue Geldpolitik zogen die Börsenkurse in Tokio und Europa an, während der japanische Yen zum Dollar nachgab. Das hilft japanischen Exportfirmen, da so ihre Waren auf den Weltmärkten günstiger werden. Der Nikkei-Index der 225 führenden japanischen Unternehmen legte zu.

Generell soll zwar die Geldmenge weiter um jährlich 80 Billionen Yen (rund 700 Milliarden Euro) steigen. Die BoJ will aber nicht mehr starr an dieser Marke festhalten, sondern kurzfristig auch flexibel sein. Die Inflationsrate könne den Zielwert von zwei Prozent künftig auch überschreiten, erklärte die Zentralbank. Mit ihrer geldpolitischen Entscheidung wollte die BoJ nach Auffassung von Beobachtern Kritikern ihrer Negativzinspolitik entgegentreten. So klagte der Bankensektor des Landes seit längerem über Belastungen durch die Minuszinsen. Die BoJ hatte vor diesem Hintergrund eine umfassende Überprüfung ihrer 2013 mit Amtsantritt von Gouverneur Haruhiko Kuroda eingeschlagenen Billiggeld-Politik vorgenommen. Sie habe über die vergangenen drei Jahre hinweg die Finanzlage verbessert, so die Schlussfolgerung der Bank. Japans Wirtschaft befinde nicht mehr länger in einer Deflation mit stetig fallenden Preisen. Gleichwohl ist die Inflation wegen niedriger Ölpreise gefallen.

US-Leitzins unverändert


Derweil lässt die US-Notenbank zum sechsten Mal in Folge den Leitzins unangetastet, wie sie am Mittwochabend bekanntgab. Die zehn Mitglieder des Offenmarkt-Ausschusses waren sich aber nicht einig. Gleichzeitig gab es aus Washington aber klare Signale: Im Dezember steht wohl die nächste Erhöhung an.
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