"Blechen fürs Zechen"

Zum Artikel "Weniger junge Komasäufer" vom 11. Februar äußert sich ein Leser:

Ihre Zeitung berichtet, dass im Jahr 2013 die Zahl der sogenannten Komatrinker unter den Jugendlichen rückläufig war. Trotzdem wurden immerhin noch fast 23 300 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen akutem Alkoholmissbrauch stationär in einem Krankenhaus behandelt. Sieben von zehn dieser Jugendlichen waren dabei noch keine 18 Jahre alt. Außerdem betrinke sich fast jeder fünfte Jugendliche mindestens einmal im Monat. Gleichzeitig wird von einem aktuellen Fall einer 14-Jährigen berichtet, die mit 4,5 Promille bewusstlos im Nürnberger Hauptbahnhof aufgefunden wurde.

Wen wundert's? Nicht immer kann man die Eltern für das (einmalige) Fehlverhalten ihrer Kinder verantwortlich machen. Ich meine aber, bei einem konsequenten, vorbildhaften Umgang der Eltern zu Hause mit Alkohol wäre der Grundstein für einen verantwortungsvollen Konsum der Jugendlichen gelegt. Gilt nicht gerade hier das Motto: "Worte belehren, Beispiele reißen mit." Auch wird sich ein Jugendlicher mit starker Persönlichkeit des Gruppendrucks der Gleichaltrigen eher erwehren und rechtzeitig "nein" bzw. "stopp" sagen.

Die Schule steht hier mit ihrem Erziehungsauftrag und den Präventionsprogrammen auf verlorenem Posten, wenn nicht auch das Elternhaus am gleichen Strang zieht. Ohne diese Unterstützung ist die Schule als "Reparaturanstalt" für gesellschaftliche Fehlentwicklungen hoffnungslos überfordert. Die Eltern, die ihre Erzieherverantwortung und ihre Aufsichtsfunktion auch über das Kindesalter hinaus konsequent wahrnehmen, wissen in der Regel Bescheid, was ihre Sprösslinge in der Freizeit treiben und greifen notfalls steuernd ein.

Warum nur, so frage ich mich seit langem, werden die Kosten für die Behandlung der Komasäufer stets auf die Allgemeinheit der Kassenmitglieder abgewälzt? Allein der Transport mit dem Sanitätsfahrzeug kostet nach meinen Recherchen pauschal schon 600 Euro. Mit den Behandlungskosten im Krankenhaus fallen pro Komasäufer damit weit mehr als 1000 Euro an. Ich unterstütze hier mit aller Kraft die Initiative der Jungen Union (JU) im Kreisverband Schwandorf: Nach deren Vorschlag sollen künftig der Jugendliche selber beziehungsweise seine die Aufsicht vernachlässigenden Eltern die Transport- und Krankenhauskosten bezahlen - gemäß dem Motto: "Blechen fürs Zechen". Unbedingt notwendig wäre auch, die zum Alkoholmissbrauch animierenden Gruppenmitglieder und die uneinsichtigen Wirte und Geschäftsinhaber zur Kasse zu bitten beziehungsweise zusätzlich noch zu bestrafen.

Die Gebührenordnung bei Verstößen im Straßenverkehr zeigt deutlich: Erst wenn es im Geldbeutel einmal richtig wehgetan hat, wird es sich mancher Schluckspecht beim nächsten Mal vielleicht schon vorher überlegen, ob sich das sinnlose "Vorglühen" und das Besaufen bis zur Besinnungslosigkeit "rechnen".

Mein Vorschlag stieß übrigens bei einigen Krankenkassen, die ich telefonisch befragte, auf wenig Gegenliebe oder auf totale Ablehnung. Schade! Es ist wohl für die "Gesundheitskassen" einfacher, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und die Kosten - wie bei den Rauchern - der Allgemeinheit aufzubürden. Die Kassen der Kassen sind ja außerdem gerade gut gefüllt.

Max Mathes, 92526 Oberviechtach
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