Blick in die Foto-Kugel

Kamera mit Rundum-Sicht: Die Ricoh Theta S kann 360-Grad-Aufnahmen machen. Bild: Ricoh

Das Foto im Hoch- und Querformat bekommt zunehmend Konkurrenz. Panoramen und Bewegtbild sind im Kommen, die höherpreisigen Systemkameras warten mit spannenden neuen Funktionen auf. Die Neugkeiten von der Ifa.

Kein Sucher, kein Display, kein Blitz - dafür aber zwei Objektive. Ricohs 360-Grad-Kamera Theta S ist nicht nur optisch eine Herausforderung. Zunächst weiß man nicht so recht, worauf man sie denn jetzt richten soll. Dabei ist es bei einem Kugelpanorama eigentlich egal, wohin die Linse zeigt. Und Kugelpanoramen, bei denen der Fotograf im Mittelpunkt steht, sind die große Stärke der ungewöhnlichen Kamera, die Ricoh auf der Elektronikmesse Ifa (noch bis heute) zeigt. Statt flacher Hoch- oder Querformate gibt es hier auf Knopfdruck den Rundumblick als Standbild mit 14 Megapixeln Auflösung oder als Full-HD-Video - zum Erkunden am Bildschirm oder mit einer Virtual-Reality-Brille.

Einstiegsklasse bricht weg

Ricohs Theta S (ab November für rund 400 Euro) ist eine der interessantesten Neuheiten der Ifa. Doch auch der Rest der Fotobranche schläft nicht und zeigt neue Modelle oder neue Funktionen. Und ein Trend zeichnet sich ab: Die guten Zeiten der günstigen Kompaktkamera sind vorbei. Beim Rundgang über die Messestände der großen Hersteller fallen eher die höherpreisigen oder Spezialkameras ins Auge. Brot-und-Butter-Knipsen für 100 Euro gibt es kaum. Schuld ist das Smartphone. "Es hat einen Großteil der Kompaktkameras substituiert", sagt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom.

Gegenüber 2008 hat sich die Zahl der jährlich verkauften Digitalkameras mehr als halbiert - von 9 Millionen (2008) auf 4 Millionen (2014). Für dieses Jahr rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung mit einem weiteren Rückgang auf knapp 3,4 Millionen. Am Stand von Panasonic gibt man sich angesichts dieser Zahlen gelassen. "Für hochwertige Kompaktkameras gibt es noch Käufer", sagt Sprecher Christian Kloth mit Verweis auf die Travelzoom-Reihe. Starke Zoomobjektive vom Weitwinkel bis in den Tele-Bereich finden sich im Smartphone eben doch nicht. Der Schwerpunkt der Japaner liegt aber klar in einem anderen Bereich - Systemkameras mit Wechselobjektiven.

Bei den Modellen DMC-G70 sowie -GX8, -GH4 und -GH4R setzen sie auf eine neue Form der Bildkontrolle. Mit der 4K-Photo-Funktion haben Fotografen ganz neue Möglichkeiten, das gewünschte Bild auszuwählen. Statt nur ein Foto zu machen, schießt die Kamera beim Druck auf den Auslöser gleich 30 Bilder pro Sekunde mit einer Auflösung von 8 Megapixeln, aus denen das beste Motiv anschließend ausgewählt wird. Im Laufe des Jahres soll es für ausgewählte Kameras der höheren Preisklassen ein Update geben, das eine nachträgliche Veränderung des Fokus' erlaubt. "Die Kamera macht dann nicht nur eine, sondern mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Schärfeeinstellungen", sagt Kloth. Soll später nicht der Hintergrund scharf sein, sondern der Vordergrund, ist auch das kein Problem - wenn man 700 Euro und mehr für eine spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiven ausgeben will.

Bewegtbild im Trend

Neben größeren Sensoren, lichtstärkeren Objektiven, Netzwerkanbindung und neuen Aufnahmemodi wie 360-Grad-Bildern geht der Trend hin zu mehr Bewegtbild aus außergewöhnlichen Perspektiven. Robuste Actioncams zum Anbringen am Fahrradlenker, dem Skihelm oder dem Surfbrett sind angesagt. Anbieter wie T'n'B, GoPro, Sony oder Panasonic zeigen entsprechende Lösungen. Etwa 7 Prozent der Freizeitsportler nutzen nach Bitkom-Zahlen eine Actioncam. Kameras wie die Adrenalin WiFi zeichnen 30 Bilder pro Sekunde in Full-HD auf. Bildkontrolle und Kamerasteuerung erfolgen über eine App. Panasonics HX-A1 verzichtet ebenfalls auf ein eigenes Display. Die stabförmige Actioncam setzt auf Live-Bildkontrolle per Smartphone, ein Nachtmodus erlaubt Aufnahmen bei wenig Licht. Rollei bietet mit seiner Actioncam 420 Smartphonesteuerung, Standbilder mit 12 Megapixeln und Bewegtbild in Full-HD, 2K und 4K.

Spannend wird es bei Kodak. Die würfelförmige Pixpro SP 360 schießt Aufnahmen mit Rundumblick. Ob die 360-Grad-Bilder der Ricoh Theta oder der Pixpro SP 360 die Zukunft der Fotografie sind, darauf will sich Timm Lutter nicht festlegen. "Die Nutzung von Actioncams zeigt, dass es ein Bedürfnis nach neuen Perspektiven gibt", sagt er. "Insofern sehe ich gute Chancen für die 360-Grad-Kameras. Zunächst aber eher in der Nische."
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