Boom bei der Leiharbeit
Viel Arbeit für wenig Lohn

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vor einem Plakat ihres Ministeriums zur Kampagne "Faire Bezahlung für gute Arbeit". Die SPD-Politikerin will Missbrauch von Leiharbeit per Gesetz eindämmen. Bild: dpa

Berlin. Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland ist auf ein Rekordniveau angestiegen. Mit 961 000 Leiharbeitnehmern gab es im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt. Im Jahr 2014 waren es noch rund 50 000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610 000 und 910 000.

1700 Euro im Schnitt


Das mittlere monatliche Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro - und somit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. Im Vergleich dazu habe der Durchschnittslohn bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2960 Euro gelegen, erklärte die Regierung.

Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Die Metall- und Elektroindustrie beschäftigt mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an allen Leiharbeitern.

Höchstverleihdauer geplant


Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will per Gesetz gegen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen vorgehen. Sie kündigte im Bundestag an, das Gesetz werde im September eingebracht. Zum ersten Mal gebe es eine Höchstverleihdauer. "Es wird mit dem Missstand Schluss machen, dass Unternehmen gezielt Leiharbeiter als Streikbrecher einsetzen." Der Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst, der die Anfrage gestellt hatte, kritisierte, fast niemand werde von besserer Entlohnung profitieren. Hintergrund ist, dass laut den jüngsten Zahlen nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis neun Monate oder länger besteht. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden.
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