Boom im Schatten des großen Bruders

Unternehmen aus der zweiten Börsenliga - dem MDax - sind bei Investoren beliebt. Ein Grund ist die Euro-Schwäche.

Was haben der Industrieroboter-Spezialist Kuka, der Immobilienkonzern Gagfah und der Dufthersteller Symrise gemeinsam? Sie alle sind Teil des Börsenindex der mittelgroßen Konzerne in Deutschland, des MDax. Am Dienstag erreichte der Index insgesamt ein Rekordhoch von mehr als 17 400 Punkten.

Warum aber sind Unternehmen aus der zweiten Reihe bei den Investoren so begehrt? Der MDax repräsentiere "das Geschäftsmodell Deutschland mit seiner Exportlastigkeit", sagt Börsenexperte Achim Matzke von der Commerzbank. In dem Index seien etwa viele Automobilzulieferer und Maschinenbauer vertreten, die von guten Geschäften mit dem Ausland profitierten. Dagegen seien im Unterschied zum Dax beispielsweise Banken und Versorger, deren Kurse sich seit der Finanzkrise unterdurchschnittlich entwickelt hätten, kaum vertreten.

Immobilien-Boom

"Viele Werte im MDax profitieren ganz besonders von der derzeitigen Euro-Schwäche, die unserer Meinung nach noch weiter anhalten dürfte", sagt Matzke. Ein schwacher Euro hilft exportorientierten Firmen, weil die Waren für ausländische Kunden billiger werden. Zudem spiegelt sich der Immobilien-Boom im MDax wider - fast ein halbes Dutzend Firmen sind in dem Index gelistet, die ihr Geld mit dem Verkauf und der Vermietung von Gebäuden machen.

Der Boom der kleineren Werte ist aber keineswegs nur ein deutsches Phänomen: "Wir beobachten auch in den USA, dass die dortigen Russell-Indizes seit Jahren deutlich besser laufen als die großen bekannten Indizes", sagt der leitende Kapitalmarkstratege Ekkehard Link von der National-Bank. Im Russell 2000 etwa sind die nach Marktkapitalisierung kleinsten US-Nebenwerte enthalten.

Offenbar trauten Anleger den oftmals unter Familieneinfluss stehenden Unternehmen mehr zu als den großen Konzernen, vermutet Link. Ein Unternehmer, der persönlich hafte, sei Interessenkonflikten in geringerem Maße ausgesetzt als ein Manager. Zudem besetzten die Unternehmen oft Nischen, in denen sie nicht selten Marktführer seien.
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