Brexit-Referendum
Ein leichtes Pfund

Den ersten Schock nach dem Brexit-Votum haben die Finanzmärkte vorerst verdaut. Doch Experten sehen keinen Grund zur Entwarnung. Sehr viele Fragen sind offen, die Unsicherheit an den Währungsmärkten bleibt groß. Die wichtigsten Kursturbulenzen im Überblick.

Britisches Pfund: Am stärksten betroffen vom Brexit-Votum war erwartungsgemäß das britische Pfund. Am Freitag stürzte die Währung im Verhältnis zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1985 ab. Mark Carney, Chef der britischen Notenbank, versuchte zu beruhigen. Man sei bereit, mehr als 250 Milliarden Pfund bereitzustellen, um die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrecht zu erhalten. Dennoch stürzte das Pfund am Montag weiter ab. "Die Verunsicherung, die derzeit das Marktgeschehen prägt, dürfte wohl zunächst anhalten", sagt Ralf Umlauf, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen.

Euro : Die Gemeinschaftswährung ist ebenfalls stark unter Druck, wenn auch nicht so sehr wie das Pfund. Im Verhältnis zum Dollar fiel der Euro auf den tiefsten Wert seit März. Zum einen fürchten die Anleger negative Folgen des Brexit für die Wirtschaft der Euro-Länder. Zum anderen ist das Vertrauen in den Zusammenhalt der Europäischen Union (EU) angeknackst. "Die Anleger dürften die Risiken für einen weiteren Zerfall des Bündnisses einpreisen", sagt Charles De Boissezon, Experte bei der französischen Bank Societe Generale.

US-Dollar: Beim US-Dollar zeigt sich ein anderes Bild. Traditionell gilt die US-Währung als sicherer Hafen, den die Anleger in schwierigen Zeiten ansteuern. So ging es mit dem Dollar nicht nur zum Pfund und zum Euro, sondern zu fast allen wichtigen Währungen bergauf. Der Dollar-Index hat nach dem Brexit deutlich zugelegt. Der Index gibt die Entwicklung des Dollar zu den führenden globalen Währungen gewichtet nach ihrer Bedeutung wieder.

Schweizer Franken: Auch der Schweizer Franken legte kräftig zu, weil er als sicherer Hafen gilt. Ein Euro war zwischenzeitlich für nur noch 1,06 Franken zu haben. Zuletzt gab es das vor knapp einem Jahr. Die Schweizerische Nationalbank steuerte sofort gegen. Man habe "am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren und wird am Markt aktiv bleiben". Die Schweizer kaufen also fremde Währungen mit frisch gedruckten Franken auf. Ein starker Franken ist den Schweizern unter anderem wegen negativer Folgen für die Exportwirtschaft ein Dorn im Auge.

Yen: Ein beliebter sicherer Hafen ist der japanische Yen, der auf Höhenflug ging. Ein Dollar kostete am Freitag erstmals seit November 2013 weniger als 100 Yen. In Japan sind die Zinsen extrem niedrig, weshalb sich Investoren dort gerne Geld in Yen leihen, um es in andere Währungen zu tauschen und andernorts anzulegen. Flüchten die Anleger wie nach dem Brexit aus riskanten Anlagen, wollen sie wieder Yen haben. Dadurch steigt die Yen-Nachfrage und somit auch der Wert der Währung. Finanzminister Taro Aso kündigte an: "Wir werden, wenn nötig, passende Maßnahmen ergreifen." Seither hat sich der Yen etwas erholt. Wie die Schweizer fürchten die Japaner, die Exportwirtschaft könne unter einer zu starken Währung leiden.

Yuan: Auch China bleibt vom Brexit nicht unbehelligt. Die Notenbanker sahen sich am Montag gezwungen, die Landeswährung im Verhältnis zum US-Dollar abwerten zu lassen. Der Yuan fiel auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2010. Der Wechselkurs ist nicht ganz frei, sondern wird wesentlich von der Zentralbank kontrolliert. So stark wie am Montag hatten die Notenbanker den Yuan zuletzt im August 2015 abgewertet. (dpa)
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