Brexit
Verband BGA warnt vor EU-Austritt der Briten

Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Am Donnerstag entscheiden die Briten über das Schicksal Europas. Verlassen sie die EU oder bleiben sie Teil der Union? Vor allem Wirtschaftsverbände entwerfen Horror-Szenarien für den Brexit-Fall.

Berlin. Ein Abschied der Briten aus der EU würde dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zufolge die Wirtschaft Großbritanniens und der ganzen EU hart treffen. "Ein Brexit führt zu Unsicherheit und Vertrauensverlust über Jahre", sagte Verbandspräsident Anton Börner in Berlin. Dies hätte "erhebliche Auswirkungen" auf die Euro-Schuldenkrise, die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftlichen Aussichten insgesamt.

Hängepartie befürchtet


Nach Ansicht des Verbands würden Austrittsverhandlungen eine zweijährige Hängepartie bedeuten, da der Zugang der Briten zum EU-Binnenmarkt und zum Finanzsektor neu geregelt werden müsste. Letzterer sei für die Briten von "existenzieller Bedeutung".

Die Londoner City bliebe voraussichtlich nicht der Nabel der Finanzwelt. Die Schweiz und Norwegen, die beide keine EU-Mitglieder sind, hält der BGA als Blaupause für Großbritannien für ungeeignet, es müssten neue Sonderregelungen ausgehandelt werden. Enorme Bürokratie und Zölle könnten die Folge sein. "Eine weitere politische Folge wird die Sogwirkung in anderen Mitgliedstaaten sein, wenn erstmals ein Staat aus der EU austritt", sagte Verbandschef Börner. "Aus meiner Sicht liefe das auf ein Ende der Europäischen Union hin, wie wir sie kennen." Er befürchtet eine Marginalisierung Europas, dass nicht mehr "als ein großer, starker und leistungsfähiger Kontinent" wahrgenommen werden würde. Nach Meinung Börners könnten etwa in Frankreich, Italien, den Niederlanden oder Tschechien EU-Referenden folgen.

Klein-Klein ignorieren


An Brüssel appellierte er, sich mehr um die großen Linien und weniger um das Klein-Klein zu kümmern. Nicht jedes Detail müsse harmonisiert werden, auch wenn es weiter Bedarf an einheitlichen Regeln gebe. "Um es deutlich zu sagen: die Annahme, eine Rückbesinnung auf den Nationalstaat wird unsere Probleme lösen, ist ein vollkommener Trugschluss", stellte Börner fest. Die kommenden Herausforderungen ließen sich nur gemeinsam meistern.

Um es deutlich zu sagen: die Annahme, eine Rückbesinnung auf den Nationalstaat wird unsere Probleme lösen, ist ein vollkommener Trugschluss.Anton Börner, BGA-Verbandspräsident
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