Bruchlandung der Piloten

Ab ins Cockpit: Nachdem das hessische Landesarbeitsgericht den Streik für rechtswidrig erklärt hatte, rief die Gewerkschaft VC (im Bild Sprecher Markus Wahl) die Piloten zur Rückkehr in den Dienst auf. Bild: dpa

Das Lufthansa-Management hat den Pilotenstreik mit juristischen Mitteln vorerst stoppen können. In Hessen entschied das Landesarbeitsgericht zugunsten der Airline. Für viele Passagiere, die am Mittwoch schon umplanen mussten, kommt der Beschluss aber zu spät.

Das hessische Landesarbeitsgericht zwingt die Lufthansa-Piloten zum Abbruch ihres Streiks. Einem Antrag der Airline auf eine einstweilige Verfügung gegen die streikende Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wurde stattgegeben, nachdem das Arbeitsgericht in Frankfurt am Dienstag in erster Instanz ein Aussetzen des Streiks noch abgelehnt hatte. Weil am zweiten Tag der inzwischen 13. Streikrunde bei der Lufthansa jedoch schon morgens und mittags zahlreiche Verbindungen ausgefallen waren, mussten viele Kunden nach wie vor mit Einschränkungen kämpfen.

"Rechtswidrig"

Die Gewerkschaft habe mit ihrem Streik auch Ziele verfolgt, die bei Verhandlungen über Tarifverträge gar nicht erreicht werden könnten, erläuterte der Vorsitzende Richter Michael Horcher. Damit seien die Streiks "evident rechtswidrig". Knackpunkt war vor allem die Forderung nach einem Stopp der Verlagerung von Arbeitsplätzen im Zuge des neuen Eurowings-Konzepts als Vorbedingung, um in die Gespräche zu den eigentlichen Tarifthemen einzusteigen. Das Unternehmen hatte der Gewerkschaft in der Berufungsverhandlung vorgeworfen, einen "Mogel-Streik" zu führen. Cockpit kritisiert den Umbau mit der Billigtochter namens Eurowings heftig. Piloten-Arbeitsplätze mit Billiglöhnen würden so dem deutschen Tarifrecht entzogen, lauten unter anderem die Vorwürfe. Auch das Landesarbeitsgericht Köln wollte über eine gleich gelagerte Berufung der Lufthansa-Tochter Germanwings verhandeln. Der Antrag wurde dort aber zurückgezogen, nachdem die Entscheidung aus Frankfurt bekanntgeworden war.

Ab heute Normalbetrieb

VC-Sprecher Markus Wahl sagte, die Gewerkschaft wolle nun die schriftliche Urteilsbegründung analysieren "und schauen, was das für uns bedeutet. Die Kollegen seien aufgefordert worden, sich ab sofort wieder für den Dienst zur Verfügung zu stellen. Lufthansa hat angekündigt, dass man aus Gründen der Planungssicherheit erst heute zum Normalbetrieb zurückkehren könne. Die Crews könnten nicht mehr rechtzeitig für Starts noch am Mittwoch zusammengeholt werden. Es bleibe daher bei der Ankündigung, dass von 1520 geplanten Flügen rund 1000 ausfallen müssten.

Kritik an den Piloten kam von den Arbeitgebern. "Der erneute Pilotenstreik untergräbt die Akzeptanz der Tarifautonomie und schädigt die gesamte Volkswirtschaft", sagte Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer. Die VC habe kein Recht, in unternehmerischen Entscheidungen einzugreifen. Der Vize-Fraktionschef der CDU, Michael Fuchs, verlangte in der "Bild-Zeitung" eine Zwangsschlichtung, um immer wiederkehrende Dauerstreiks zu verhindern.
Weitere Beiträge zu den Themen: Frankfurt (2447)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.