Brüchiger Burgfrieden

Im dramatischen Machtkampf bei Volkswagen sind Aufsichtsratsboss Piëch und Winterkorn zunehmend angeschlagen. Die Zeit für eine Lösung wird knapp.

Demontage, Bekenntnisse, neue Attacken, Friedensschlüsse, wieder neue Angriffe: Die Führungskrise bei VW hält die Autowelt in Atem - der Ausgang scheint völlig offen. Doch die Zeit drängt: Keine zehn Tage mehr sind es bis zur Hauptversammlung am 5. Mai.

Offener Konflikt droht

Sollte der Machtpoker zwischen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn bis dann nicht gelöst sein, droht eine Abrechnung auf offener Bühne. Bereits am Dienstag eröffnet VW sein umgebautes Auto-Forum in Berlin - der gesamte Vorstand ist angekündigt. Es dürfte nur ein Thema geben. Zwar rief Piëch nach seiner Demontage Winterkorns am Donnerstag einen Burgfrieden aus. "Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt", erklärte er. "Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht." Zuvor hatten Medien berichtet, Piëch versuche, die Ablösung Winterkorns zu betreiben - noch vor der VW-Hauptversammlung.

Laut "Spiegel" hat Piëch Anfang dieser Woche Porsche-Chef Matthias Müller gebeten, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden bereit zu halten. Dies wurde am Freitag in Konzernkreisen bestätigt. Branchenexperten sind überzeugt: Der Patriarch werde weiter kämpfen. Ein Ziel habe er erreicht: Winterkorn als Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze zu verhindern.

Piëch nicht mehr tragbar

Aber auch Piëch ist angeschlagen. Er sei als VW-Aufsichtsratsvorsitzender nicht mehr tragbar, sagten Mitglieder des 20-köpfigen Kontrollgremiums dem "Spiegel". Bisher war Piëchs Wort Gesetz. Nun deutet sich eine Zeitenwende an. Im Aufsichtsratspräsidium, konnte sich Piëch vergangene Woche nicht durchsetzen. Der Betriebsrat und Niedersachsens Landesregierung stehen zu Winterkorn.

Fest steht: Die Führungskrise hat ein neues Kapitel geöffnet bei VW. Es geht vor allem darum, wie der Autobauer mit 12 Marken, weltweit rund 600 000 Beschäftigten und fast 120 Fabriken künftig geführt wird.
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