Bruttoinlandsprodukt steigt im dritten Quartal um 0,3 Prozent - Ifo-Index legt im November ...
Verbraucher und Staat halten Wirtschaft auf Kurs

Deutschland setzt seinen moderaten Aufschwung dank der kauffreudigen Verbraucher fort. Wegen der zahlreichen Krisen in aller Welt hat das Wachstumstempo im Sommer aber etwas nachgelassen. Im dritten Quartal 2015 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit erste Berechnungen. Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 0,4 Prozent gewachsen, zum Jahresbeginn um 0,3 Prozent.

Ausgaben für Flüchtlinge

Wachstumstreiber war von Juli bis September hauptsächlich der Konsum. "Die Verbraucher haben die Wirtschaft gerettet und die Industrie-Flaute im Sommer kompensiert", betonte Carsten Brzeski, Chef-Ökonom der ING-DiBa. Nach den Angaben der Statistiker nahmen sowohl die privaten Konsumausgaben (plus 0,6 Prozent) als auch die Konsumausgaben des Staates kräftig zu (plus 1,3 Prozent). "Hier dürften bereits Mehrausgaben zur Aufnahme der Flüchtlinge für die spürbare Steigerung verantwortlich sein", meinte Bayern-LB-Ökonom Stefan Kipar. Ein Anstieg in vergleichbarer Höhe beim öffentlichen Konsum sei zuletzt in Zeiten der Konjunkturprogramme 2009 verzeichnet worden. Hingegen investierten im Sommer die etwa durch die Flaute in Schwellenländern und den befürchteten "Grexit" verunsicherten Unternehmen weniger als im Frühjahr - und zwar sowohl in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (minus 0,8 Prozent) als auch in Bauten (minus 0,3 Prozent).

Auch der Außenhandel bremste das Wachstum: Die Ausfuhren stiegen um 0,2 Prozent an, die Importe erhöhten sich jedoch um 1,1 Prozent. Insgesamt bremste der Außenbeitrag als Differenz aus Exporten und Importen damit das BIP-Wachstum um 0,4 Prozentpunkte.

"Von innen getrieben"

Einig sind sich die Experten, dass die niedrigen Energiepreise, die hohe Erwerbstätigkeit bei steigenden Löhnen, die Mini-Zinsen und die Zuwanderung die Kauflust der Verbraucher weiter befeuern und damit die Konjunktur in Schwung halten werden. Im Sommerquartal sei die deutsche Wirtschaft endlich zu dem geworden, was viele Kritiker fordern, analysierte Ökonom Brzeski: "Eine von innen getriebene Wirtschaft."

Im November ist der Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend von 108,2 im Oktober auf 109,0 Punkte gestiegen. Das teilte das Ifo Institut am Dienstag in München mit. Ihre aktuelle Geschäftslage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bewerteten die befragten Industrie-, Handels- und Bauunternehmen besser als zuletzt. Experten hatten mit einer leichten Eintrübung gerechnet, nachdem das Konjunkturbarometer im Vormonat leicht zurückgegangen war.

"Nicht einmal die Anschläge von Paris haben sich in den Daten negativ bemerkbar gemacht", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch in den Antworten, die danach eingegangen seien, habe sich keine negative Tendenz gezeigt, ergänzte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Von der Wachstumsschwäche in Schwellenländern wie China lassen sich die Unternehmen ebenfalls wenig beeindrucken. Der weiterhin gute Handel mit Europa sowie den USA wirke ausgleichend, sagte Wohlrabe.
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