Bundesrepublik im Vergleich mit Nachbarländern relativ günstig für Verbraucher
In Deutschland gibt's mehr fürs Geld

Auf Auslandsreisen merken es Deutsche: In den meisten Nachbarländern bekommen sie weniger für ihr Geld als in der Heimat. Insgesamt habe das Niveau der Verbraucherpreise in Deutschland 2014 um 1,5 Prozent über dem Durchschnitt der 28 EU-Länder gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Außer in Polen und Tschechien kosten Waren und Dienstleistungen in allen Anrainerstaaten mehr als hierzulande.

Dass die Bundesrepublik über dem Schnitt liegt, ist vor allem auf Staaten im Osten zurückzuführen, die wie das billigste EU-Land Bulgarien den Durchschnitt kräftig nach unten ziehen: Dort müssen die Verbraucher für den Kauf eines repräsentativen Warenkorbs nicht einmal halb so viel (48 Prozent) bezahlen wie in der EU insgesamt. Rumänien (54 Prozent), das bei deutschen Urlaubern beliebte Reiseland Türkei (61 Prozent) und Tschechien (64,2 Prozent) sind ebenfalls vergleichsweise günstig.

Griechenland: 86 Prozent

Griechenland ist zwar deutlich günstiger geworden, bleibt mit einem Preisniveau von 86 Prozent des EU-Schnitts aber teurer als etwa die Türkei. Auch in anderen Südländern wie Portugal (81 Prozent) oder Spanien (93) ist das Leben billiger als im EU-Schnitt. Das freut auch deutsche Touristen, die im Süden günstiger übernachten, essen, trinken oder Kleidung kaufen können als in der Heimat. Hingegen ist Italien mit einem Preisniveau von 101,9 Prozent minimal teurer als Deutschland. Zum Vergleich: Hierzulande sind Hotels und Gaststätten nach Eurostat-Zahlen drei Prozent billiger als im EU-Schnitt, in Italien neun Prozent teurer. Auch für Getränke mit und ohne Alkohol, Tabak und Nahrungsmittel müssen Verbraucher in "Bella Italia" etwas mehr bezahlen als in Europas größter Volkswirtschaft.

Das teuerste Pflaster in der EU ist aber Skandinavien: In Dänemark liegen die Lebenshaltungskosten um 38 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in Schweden um 25 und in Finnland um 23 Prozent. Noch tiefer müssen Verbraucher im Nicht-EU-Land Norwegen (48 Prozent über dem Durchschnitt) in die Taschen greifen. Das teuerste Land Europas ist die Schweiz: Dort liegt das Niveau der Verbraucherpreise um 54 Prozent über dem EU-Schnitt. "Norwegen und die Schweiz funktionieren gut. Das führt dazu, dass viel Geld in diese kleinen Länder strömt und sie aufwerten müssen. Das macht sie teuer", sagt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Spürbare Unterschiede

Für Auslandsreisende sind dem Bankenverband zufolge die Preisunterschiede durchaus spürbar. Demnach ist der Euro aus Sicht des deutschen Urlaubers in Dänemark nur 74 Cent und in Norwegen nur 70 Cent wert, in Frankreich und Österreich immerhin 94 Cent: "Das wohl teuerste Urlaubsdomizil in Europa dürfte die Schweiz sein. Dort beträgt die Kaufkraft des Euro nur etwa 57 Cent." Hingegen müsse der Urlauber in der Türkei nur einen Euro für Waren und Dienstleistungen bezahlen, die in Deutschland 1,55 Euro kosten. Besonders groß sind die Preisunterschiede in Europa bei alkoholischen Getränken und Tabakwaren. Die Spanne reicht von 58 Prozent des EU-Durchschnitts in Bulgarien bis 170 Prozent in Irland. "Es ist zu beachten, dass diese großen Preisunterschiede in erster Linie auf die unterschiedliche Besteuerung dieser Produkte in den einzelnen Mitgliedstaaten zurückzuführen sind", betonen die Statistiker von Eurostat in Luxemburg. Dabei sind Bier oder Zigaretten in Irland bei Weitem nicht so teuer wie in Norwegen: Dort liegt das Preisniveau für Alkohol und Tabak bei 239 Prozent des EU-Schnitts.

Autos billiger

In Deutschland sind Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im EU-Vergleich relativ teuer: Sie kosten neun Prozent mehr als im Schnitt. Für Bekleidung müssen Verbraucher ein Prozent mehr ausgeben als im Schnitt der 28 EU-Länder. Weniger kosten Dienstleistungen von Hotels und Restaurants (minus drei Prozent), Autos (minus vor Prozent), Unterhaltungselektronik (minus fünf Prozent) sowie Alkohol und Tabak (minus elf Prozent).

Ein Hauptgrund für das vergleichsweise niedrige Preisniveau in Deutschland dürfte die Lohn- entwicklung der vergangenen Jahre sein, betont Kater: "Deutschland hat derartig an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, dass die Kapazitäten jetzt voll ausgelastet sind." Das wiederum lasse die Preise nun allmählich steigen. Die Inflation werde hierzulande in den kommenden Jahren höher sein als in den südlichen Euro-Ländern, die ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und sich daher mit Preiserhöhungen zurückhalten müssten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Wiesbaden (403)Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.