Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zieht Konsequenzen aus VW-Affäre
"Dopingtests" für Autohersteller

"Es wird Kontrollen für Kraftfahrzeuge im Stile von Dopingtests geben. Unangemeldet, jedes Jahr." Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Bild: dpa
 
"Das Kraftfahrtbundesamt hat bisher bei der Kontrolle der Autoindustrie versagt, warum sollte das auf einmal anders werden?" Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Bild: dpa

Was bei unfairen Sportlern hilft, soll auch Schummlern in der Autoindustrie auf die Schliche kommen: Als Konsequenz der Abgasaffäre bei Volkswagen stellt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Autobauern unangemeldete Abgastests in Aussicht.

Berlin. "Es wird Kontrollen für Kraftfahrzeuge im Stile von Dopingtests geben. Unangemeldet, jedes Jahr", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Nach dem Zufallsprinzip werden Fahrzeuge beispielsweise über Autovermietungen ausgewählt und deren Schadstoffausstoß getestet." Sein Ministerium wolle sicherstellen, dass solche Manipulationen nicht wieder passieren.

Vertrauen verspielt


Nach Dobrindts Worten sollen staatliche Prüfstände beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aufgebaut werden. "Die Aufsicht über die Kontrollstellen hat das Bundesverkehrsministerium. Diese zusätzlichen Prüfungen sollen helfen, durch den VW-Skandal verspieltes Vertrauen in die Autoindustrie wiederherzustellen", sagte Dobrindt. Im Januar hatte das Bundesverkehrsministerium bereits mehrere Neuregelungen in den Blick genommen. Technische Prüfdienste, die für einen Autohersteller tätig sind, sollten sich künftig in einer Rotation abwechseln, hatte ein Sprecher in Berlin mitgeteilt. Die VW-Untersuchungskommission des Ministeriums habe zudem vorgeschlagen, staatliche Prüfstände für Emissions-Nachmessungen aufzubauen. Damit könnten nach Ansicht von Experten wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Prüfinstituten und Herstellern vermieden werden.

Außerdem sollen Hersteller dem KBA künftig ihre Motorsoftware offenlegen. Dadurch wäre es leichter, etwaige Abschaltvorrichtungen zu erkennen, mit denen ein Fahrzeug "merkt", ob gerade ein Abgastest läuft. Solche so genannten "Defeat Devices" stehen im Zentrum des VW-Abgasskandals.

"Schlechter Witz"


Die Grünen sprachen angesichts Dobrindts Vorschlag von einem "schlechten Witz" und warfen dem Minister vor, mehr die Interessen der Autoindustrie als den Umwelt- und Verbraucherschutz zu verfolgen. "Das Kraftfahrtbundesamt hat bisher bei der Kontrolle der Autoindustrie versagt, warum sollte das auf einmal anders werden?", fragte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter in einer Mitteilung.

Der ADAC unterstützt die Pläne der Bundesregierung dagegen: "Das Vorhaben, unangemeldete Messungen durchzuführen und die Ergebnisse offenzulegen, geht in die richtige Richtung", sagte ADAC-Vizepräsident Thomas Burkhardt laut Mitteilung. "Zusätzlich sollten jedoch auch die tatsächlichen Emissionswerte über eine kontinuierliche Feldüberwachung nachvollziehbar erhoben werden."Das Kraftfahrtbundesamt hat bisher bei der Kontrolle der Autoindustrie versagt, warum sollte das auf einmal anders werden?Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag

Strafe für SpritfresserIn der Debatte um Kaufanreize für Elektroautos bringt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eine Strafabgabe für den Kauf spritfressender Fahrzeuge ins Gespräch. Bei einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer wäre demnach ein einmaliger "Umweltbeitrag" von 50 Euro zu zahlen, bei über 200 Gramm "könnten 1000 Euro fällig werden", sagte Hendricks dem Nachrichten-Magazin "Spiegel". Die Einnahmen sollen zur Finanzierung von Kaufprämien für Elektroautos dienen. (dpa)
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