Cebit in Hannover
Technik, die unter die Haut geht

Die Kommunikationsmanagerin von Aldebaran, Aurora Chiquot, schüttelt auf der CeBIT am Stand von Aldebaran dem humanoiden Roboter "Pepper" die Hand. Bild: dpa

Die Cebit versteht sich als zentrale Plattform für die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. In diesem Jahr neu dabei: eine ganze Halle, in der die Bandbreite der zivilen Anwendung von Drohnen gezeigt wird. Auch 3-D-Drucker sollen die Messe prägen.

Hannover. Pepper wollte nicht: Bei einer Vorabbesichtigung der diesjährigen Technologiemesse Cebit in Hannover wurden dem kleinen Roboter die auf ihn gerichteten Mikrofone und Kameras der Reporter einfach zuviel. "Er ist schüchtern", entschuldigte Nicolas Boudot von der Firma Aldebaran den Aussetzer seines emotional auf Umweltreize reagierenden Empfangs-Roboters. 20 000 von ihnen wurden weltweit bisher verkauft - nun sollen sie als Gäste-Betreuer auf den Kreuzfahrtschiffen Einzug halten, erklärte Boudot.

Der Roboter ist nur einer der Hingucker bei der heute öffnenden Technologie-Schau. Die Messe Cebit (bis 18. März) bleibt dem Mega-Trend Digitalisierung auch in diesem Jahr treu. Ob selbstfahrende Autos oder Kleider aus dem 3-D-Drucker, wie sie die Deutsche Telekom bei einer Wearables-Modenschau zeigte: Sie ermöglicht zahlreiche neue Chancen, Risiken und Geschäftsmodelle für Industrie und Gesellschaft.

Chip in der Handfläche


Technologie kann auch im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen. Unter dem Motto "Wir gehen tiefer" stellt etwa die junge Firma Digiwell Chips vor, die als Implantate etwa Zugangskarten für Türen ersetzen können. "An dem einen Stand werden Roboter zum Menschen gemacht, und hier Menschen zum Roboter", kommentierte eine Medienvertreterin am Sonntag den Trend.

Solche Skepsis versteht Firmenvertreter Patrick Kramer, meint aber: "Der Mensch wird irgendwann Bestandteil des Internets werden - wir sind schon auf dem Weg dahin." Für Aufsehen sorgte im Januar ein schwedischer Software-Manager, der für einen Flug von Stockholm nach Paris statt eines Boarding-Passes einen Funk-Chip in seiner Handfläche ans Lesegerät hielt.

Zeigen, was möglich ist


Kramer, der als "Cyborg" selbst einen Chip unter der Haut trägt, macht die zwiespältigen Gefühle am Alter fest: "Für 15-Jährige ist das Ganze wie die neuste Playstation". Bei den 20- bis 40-Jährigen dagegen hielten sich Neugier mit Skepsis die Waage. Die wurde auch beim Vodafone-Stand laut, wo die Video-Polizei mit vernetzter Bodycam vorgestellt wurde. Die an der Brust angebrachte Kamera zeigt auf einem kleinen Bildschirm, wen oder was sie aufnimmt und überträgt beweissichere Daten an die zuständigen Behördenstellen.

"Wir zeigen, was technisch möglich ist und sind wegen der technischen Anwendung in Gesprächen mit den entsprechenden Stellen", sagte Sprecher Markus Teubner. Mitte des Jahres soll die neuartige Kamera auf den Markt kommen. "Ich bin relativ sicher, dass wir in drei bis fünf Jahren einige Polizisten oder Feuerwehrleute damit im Einsatz sehen werden", meinte Christoph Thomas vom Vodafone-Partner Motorola. Und der Datenschutz? "Ist ein wichtiges Thema", gab er zu, erklärte aber: "Der Aufgenommene sieht sich ja selbst auf dem Monitor."

IT-Sicherheit im Fokus


Die Messe stellt nicht nur Ausschnitte aus dem sich rasant entwickelnden neuen Markt der Möglichkeiten vor, sondern versteht sich auch als eine Art Seismograph für die damit verbundene gesellschaftliche Debatte. Die Funktion der Messe als Plattform für Diskussionen gewinnt dabei an Bedeutung. Immerhin wird die Vernetzung von Mensch und Maschine nach allen bisherigen Studien zu einem massiven Umbruch in der Industrie wie auch der Gesellschaft führen, wird alte Geschäftsmodelle wegbrechen aber auch neue entstehen lassen.

Der Trend erfasst alle Lebensbereiche - auch im Cebit-Partnerland Schweiz, wo die Uhrenindustrie angesichts sogenannter Smartwatches gerade vor einem Umbruch steht. Mit einer eigenen Halle dabei sind bei der Cebit die Drohnen, die im Flug und auch bei einem Rennen vorgeführt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist erneut die IT-Sicherheit, die angesichts der jüngsten Welle von Angriffen mit Erpressungs-Software an Bedeutung gewinnt. "In Deutschland gibt es heute 2,6 Mal mehr solcher Angriffe als noch vor einem halben Jahr", sagte Stefan Rojacher von der IT-Sicherheitsfirma Kaspersky. Die betroffenen Unternehmen und Behörden müssen oft enorme Beträge aufwenden, um ihre Daten zu retten. Denn Cyber-Angriffe auf Unternehmen, aber auch öffentliche Verwaltungen werden gerade vor dem Hintergrund immer größer werdender Datenströme zum massiven Problem.

Reine GeschäftsmesseDie Ausrichtung der Cebit auf Fachbesucher ist nach Einschätzung der Veranstalter ein Erfolg. "Die Cebit ist die weltweit wichtigste Veranstaltung für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft", betonte Messechef Oliver Frese am Sonntag. Auch sei sie die größte Messe, bei der es um Cloud-Dienste geht, bei denen Software und Daten direkt aus dem Netz kommen. 2014 hatten die Macher eine fundamentale Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse eingeläutet. Vergangenes Jahr zog die Cebit noch 201 000 Besucher an. In diesem Jahr kamen rund 3300 Aussteller aus 70 Ländern nach Hannover. Flankiert wird die Ausstellung, die von Montag bis Freitag läuft, von einem umfangreichen Kongress-Programm. (dpa)
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