China greift zum Finanz-Doping

Was würde Mao Zedong davon halten? Auf der Vorderseite aller chinesischen Geldscheine ist ein Porträt des 1976 gestorbenen Gründungspräsidenten der Volksrepublik abgebildet. Am Dienstag und am Mittwoch hat China seine Währung abgewertet. Bild: dpa

Die Wirtschaft der globalen Konjunkturlokomotive China schwächelt. Jetzt wertet die Führung in Peking die heimische Währung stark ab. Das hat Folgen - auch im Ausland.

Aus China häufen sich die Hiobsbotschaften: Die Wirtschaft schwächelt, die Exporte brechen ein, die Zuversicht der Unternehmer sinkt. Die chinesische Notenbank hat den Yuan stark abgewertet - schon den zweiten Tag in Folge. Antworten auf wichtige Fragen:

Was genau hat Chinas Zentralbank gemacht?

Zu Beginn jedes Handelstages setzt die Zentralbank in Peking einen Referenzkurs fest, von dem die Landeswährung im Handelsverlauf nicht mehr als zwei Prozent nach oben und unten abweichen darf. Auf diese Weise koppelt das Land den Yuan an andere internationale Währungen, wobei der Dollar die wichtigste Rolle spielt. Lange hatte Peking darauf geachtet, dass sich der Kurs etwa im Gleichtakt mit der US-Währung bewegt. Davon rückte die Zentralbank am Dienstag ab, indem sie den Referenzkurs 1,9 Prozent tiefer setzte als am Vortag. Am Mittwoch wertete sie erneut um 1,6 Prozent ab. Zudem kündigten die Geldwächter an, dass sich der Referenzkurs künftig am Schlusskurs des jeweiligen Vortages orientieren soll. Die Bank lässt also mehr Marktmacht zu.

Warum wertet die Bank ab?

Wegen der faktischen Koppelung an den zuletzt sehr starken Dollar war auch der Yuan im Vergleich zu anderen Währungen kräftig gestiegen. Für Chinas Exporteure, die mit sinkender Nachfrage aus dem Ausland kämpfen, ist die starke Währung ein zusätzliches Problem. Die Abwertung führe nun dazu, "Druck von der Exportindustrie zu nehmen", sagt Liu Yuanchun, Wirtschaftsprofessor an der Pekinger Renmin University.

Was bedeutet die Abwertung für das Ausland?

Ausländische Waren innerhalb Chinas werden teurer. Das wirkt sich negativ auf Länder mit hohen Exporten ins Reich der Mitte aus, zu denen auch Deutschland gehört. Betroffen sind etwa die Autobauer. Deren Aktienkurse geraten nun unter Druck. Inzwischen warnen einige Experten bereits vor einem neuen Aufflammen eines Währungskriegs, also vor einer gezielten Abwertung heimischer Währungen durch Zentralbanken verschiedener Länder, um die eigene Exportwirtschaft zu stützen.

Wie ist die konjunkturelle Lage in China?

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Zwar sehen offizielle Wachstumszahlen für dieses Jahr von 7 Prozent - nach 7,4 Prozent 2014 - auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Aber von China wurde erstens mehr erwartet, und zweitens sehen Skeptiker das Wachstum nur bei 5 bis 6 Prozent. Zudem reiht sich seit Anfang Juli eine Hiobsbotschaft an die nächste. Erst brachen die chinesischen Aktienmärkte ein, dann die Exporte.

Was bedeutet die Abwertung für chinesische Verbraucher?

Im Alltag wird sich ein schwächerer Yuan für Verbraucher kaum bemerkbar machen. Doch Reisen in andere Länder werden für Chinesen teurer, weil ihr Geld dort weniger wert ist. Im Gegenzug wird es für Touristen in China günstiger. "Die tatsächlichen Auswirkungen hängen davon ab, wie weit die Währung noch fallen wird", betont der chinesische Wirtschaftsprofessor Zheng Chaoyu.
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