China zieht Börsen in Abwärtssog

Die Abhängigkeit von den chinesischen Aktienmärkten sorgt durch deren Einbrechen für globale Konsequenzen. Bild: dpa

In China platzt die Börsenblase. Der Lokomotive der Weltwirtschaft geht der Dampf aus. Nötige Reformen werden verschoben. Deutsche Firmen sind immer abhängiger von China. Droht noch mehr Unheil?

Die Probleme in China haben jetzt den Rest der Welt infiziert. Der dramatische Einbruch der chinesischen Aktienmärkte sendet Schockwellen an die Börsenplätze von Tokio bis Frankfurt. Die Flut schlechter Nachrichten aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt lässt die Angst vor einbrechenden Wachstumsraten umgehen.

Autobauer in Gefahr

"Viele Länder haben sich in eine immense Abhängigkeit von China begeben, die sie nun extrem verletzlich macht", sagt Sandra Hepp vom China-Institut Merics. Chinas Wachstumsraten werden unweigerlich weiter sinken - mit globalen Folgen. "Der Weltwirtschaft stehen schwere Zeiten bevor", warnt Hepp. Auch deutsche Exporteure seien stark abhängig. "Nicht zuletzt deutsche Autobauer könnten von einem Abschwung in China empfindlich getroffen werden."

Schon spätestens seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 stehe China vor großen Herausforderungen. "Die Turbulenzen an den Börsen, der zunehmende Kapitalabfluss und der Einbruch der Exporte stellen Chinas Führung auf eine harte Probe", sagt Hepp. "Nach den verzweifelten Eingriffen an den Börsen hat auch die Abwertung des Renminbi (Yuan) gezeigt, dass die Nerven in Peking zunehmend blank liegen."

Viele Milliarden hat die Regierung in den Markt gepumpt, konnte ihn aber nicht stabilisieren. Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou vom Pekinger Technologie-Institut kritisiert wie viele andere die "Verschwendung". "Über kurz oder lang kann der Aktienmarkt nur besser werden, wenn die Probleme in der Wirtschaft gelöst werden", sagt der Experte. "Je mehr Intervention, umso schlimmer entwickelt sich der Markt", meint Hu Xingdou. "Es ist ein Teufelskreis."

So sind inzwischen alle Gewinne dieses Jahres wieder zunichtegemacht worden. Durch den Kursrutsch seit Mitte Juni sind nach Schätzungen mehr als vier Billionen US-Dollar (knapp 3,5 Billionen Euro) an Werten vernichtet worden. Die Kurse sind trotz aller Eingriffe um rund 40 Prozent gefallen. Es war nur eine Börsenblase. Denn seit vergangenem Jahr hatte die Propaganda die Märkte hochgejubelt, sodass sich viele Anleger auf der sicheren Seite wähnten. Putzfrauen, Taxifahrer und Studenten suchten alle ihr Glück im "chao gu", übersetzt "Aktien in der Pfanne braten".

Marktkräfte stärker

"Es ist ein Fehler, anzunehmen, dass eine Börse, die 150 Prozent hoch geht, ohne dass es gute Wirtschaftszahlen gibt, auch noch stabil ist", sagt der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, der dpa. "Die Märkte sind zu lange zu hoch getrieben worden. "Aber die Marktkräfte sind stärker."

"Das Grundproblem sind auch nicht die Aktienkurse, sondern die schwache Nachfrage, die Überkapazitäten und die Überschuldung im Unternehmensbereich", sagt Wuttke. Auch sei es schwierig, den Dienstleistungssektor zu beleben, um neue Jobs zu schaffen. China stecke in einem Dilemma, weil das Wirtschaftswachstum allein über Exporte und Anlageinvestitionen erzeugt werde. Ein Ende der Kurstalfahrt ist nicht in Sicht.
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