Chinesisches Angebot für Augsburger Roboterbauer
Shopping-Tour süß-sauer

Mit seiner Einkaufs-Strategie im Ausland will China seine Exportabhängigkeit verringern und sich Zugang zu wichtigen Märkten und Schlüsseltechnologien verschaffen. Bild: dpa

Seit einigen Jahren zielen Chinesische Investitionen auf Europa. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen deutsche Mittelständler - wie der Augsburger Roboterbauer Kuka. Das passt nicht jedem in Berlin und Brüssel.

Peking/Berlin. Wenn Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Kabinett am Sonntag in Peking die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen eröffnet, muss sie sich auf die ein oder andere unangenehme Frage der Gastgeber einstellen. Etwa die, ob chinesische Investoren in Deutschland nicht mehr willkommen seien und ob man sich sorgen müsse wegen eines "China-Bashings"?

Gegenangebot gefordert


Den Eindruck könnten die Machthaber in Peking zuletzt durchaus gewonnen haben. Denn vor allem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, aber auch Teile der EU-Kommission, beobachten sehr genau die Einkaufstour - aus Angst vor einem High-Tech-Ausverkauf an die Konkurrenz in Fernost. Sie ermuntern wie im Fall des Augsburger Roboterbauers Kuka sogar die deutsche und europäische Industrie zur Gegenofferte. Und stehen damit bisher ziemlich allein da.

Mit seiner Einkaufs-Strategie im Ausland will China seine Exportabhängigkeit verringern und sich Zugang zu wichtigen Märkten und Schlüsseltechnologien verschaffen. Deutschland mit seinen vielen mittelständischen High-Tech-Firmen, die oft Branchenführer sind, seinem offenen Markt und stabilen Rechtsrahmen hat es den Anlagestrategen angetan. Zumal in Deutschland ausländische Direktinvestitionen wegen Sicherheitsbedenken nicht so scharf geprüft werden wie in den USA.

Eigentlich waren chinesische Investitionen in Deutschland immer willkommen - auch, weil Arbeitsplätze teils gerettet wurden. Aber die Diskussion droht zu kippen. Den Grund sehen Geschäftsleute in Peking in der "Asymmetrie" zwischen der Offenheit der deutschen Wirtschaft für chinesische Investoren und den eher wachsenden Hürden für deutsche Firmen in China. "Wir haben starke Hinweise, dass sich eine weitere Öffnung nicht nur verlangsamt hat, sondern gerade an einem Punkt ist, sich in die falsche Richtung zu wenden", schreibt der deutsche Botschafter in Peking, Michael Clauß, in der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Deutsche Unternehmen litten zunehmend unter Eingriffen der Behörden, die ihnen mit Kontrollen oder Lizenzen das Leben schwer machten. Während der "informelle Protektionismus" wächst, verfolgt Peking eine Strategie, im Ausland fehlende Technologie zu besorgen.

Kuka reizvoll


Besonders interessant sind Roboter-, Informations- und Biotechnologie. Auch im Fall Kuka - eines Vorzeigeunternehmens der deutschen Wirtschaft bei der Digitalisierung und Vernetzung ("Industrie 4.0") - hat der chinesische Kühlschrankhersteller Midea mit bis zu 4,5 Milliarden Euro den Aktionären ein sehr verlockendes Angebot unterbreitet.

Gegenangebote erscheinen unrealistisch. Gabriel war weniger forsch, ein "alternatives Angebot zu formulieren". Das schwebt auch EU-Digitalkommissar Günther Oettinger vor, der den "strategisch bedeutsamen" Zukunftsträger gern weiter in deutscher Hand sähe. Gabriels Eingriffsmöglichkeiten (siehe Kasten) sind begrenzt. Es ist nicht überliefert, dass bisher ein Verkauf untersagt wurde.

Gabriels Vetorecht bei ÜbernahmenGreift ein ausländischer Investor mit Sitz außerhalb der EU nach einem deutschen Unternehmen, hat die Bundesregierung unter bestimmten Bedingungen ein Vetorecht. Das gilt für strategisch wichtige Branchen wie Telekommunikation/IT, Rüstung oder Strom- und Wasserversorgung, wo Sicherheits- und Landesinteressen oder die Versorgung bedroht sein könnten.

Das Wirtschaftsministerium kann nach dem Außenwirtschaftsgesetz eine Übernahme prüfen, wenn ein ausländischer Interessent mindestens 25 Prozent der stimmberechtigten Anteile kauft. Die Große Koalition hatte 2009 die AWG-Regeln verschärft. So sollte verhindert werden, dass ausländische Investoren durch Übernahmen zu viel Einfluss bekommen. (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.