Commerzbank hält am Bestand ihrer Geschäftsstellen fest - Interview mit Bereichsvorstand Werner ...
"Schließung von Filialen keine erfolgreiche Strategie"

Commerzbank-Bereichsvorstand Werner Braun verantwortet 35 Milliarden Euro Anlage- und 12 Milliarden Euro Kreditvolumen. Bild: cf
Weiden. (cf) Nirgendwo in Deutschland ist die Commerzbank derart in der Fläche verankert wie in der Oberpfalz. Nach eigenen Angaben beträgt ihr Marktanteil 27 Prozent. Diese Stärke rührt vor allem von der Übernahme der SchmidtBank vor 11 Jahren her. Von Weiden aus steuert Niederlassungsleiter Sebastian Hackl mit seinen 115 Mitarbeitern die 21 Filialen mit rund 103 000 Kunden und 1,3 Milliarden Euro Bestandsvolumen in der Oberpfalz. Auch bei fortschreitender Digitalisierung (Mobile-Banking) hält die Commerzbank an ihrer Präsenz vor Ort fest. Dies betonte der Bereichsvorstand für die Privatkunden in Süddeutschland, Werner Braun (München).

Der 48-Jährige kommt am Wochenende zu seiner Familie ins südliche Fichtelgebirge. Braun ist hingerissen von der "unverbrauchten Landschaft" und ihren Menschen in Ostbayern, dem Leben am "Sehnsucht-Ort". Mit dem Commerzbank-Manager sprach Clemens Fütterer.

Wegen der Niedrigstzinsen und des stark wachsenden Online-Bankings dünnen viele Banken und Sparkassen ihr Filialnetz aus ...

Braun: Die Schließung von Ge- schäftsstellen ist keine erfolgversprechende Strategie. Würden wir 50 Prozent unserer Filialen zusperren, läge die Einsparung nur bei 15 Prozent der Kosten. Zudem sind wir überzeugt: Für Beratung ist auch künftig noch der Mensch zuständig, nicht eine App. Wir brauchen deshalb beides: ein funktionierendes Online-Geschäft und die persönliche Beratung. Schauen Sie, sogar Apple macht 70 Prozent seines Umsatzes über die Läden. Bei uns kommen 80 Prozent der bundesweit 5000 neuen Kunden in der Woche über die Filialen.

Welche Strategie fährt hier die Commerzbank?

Braun: Wir bauen die Commerz- bank zu einer Multi-Kanal-Bank um, investieren in digitale Angebote. Unsere Kontostand-App wird an Spitzentagen mehr als 470 000 mal abgerufen. Wir wollen unseren Kunden mit Mobile-Banking das Leben erleichtern, geben eine Sicherheits-Garantie und übernehmen alle Schäden. Die größeren Gefahren treten allerdings bei herkömmlichen Überweisungen auf, die gefälscht werden können.

Auch die Commerzbank kann sich dem Kostendruck nicht entziehen.

Braun: Vor vier Jahren blickte die Commerzbank in den Abgrund. Wir haben seitdem einen Paradigmen-Wechsel vollzogen, unser Geschäftsmodell ist auf Kundenzufriedenheit ausgerichtet: Die persönliche Situation des Kunden steht im Mittelpunkt.

Die Commerzbank ist heute die am stärksten wachsende Filial- bank in Deutschland. Das Wachstum erfolgt in einem verteilten Markt. Wir setzen dabei nicht auf den Preis, son- dern auf die Qualität. Der zufriedene Kunde ist die beste Werbung und bringt letztendlich auch Gewinn.

Bei seinem jüngsten Besuch übte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon scharfe Kritik an den Geschäftsbanken - mit Blick auf das Gemeinwohl.

Braun: Unser Geschäftsmodell ist die Dienstleistung am Kunden. Da- mit leisten wir unseren Beitrag für das Gemeinwohl. Gerade die kleine- ren und mittleren Vermögen werden durch die Niedrigstzinsen schlei- chend enteignet. Da wir das Geld der Kunden mehren und nicht vernich- ten wollen, empfehlen wir Anlegen statt Sparen. Der Weltspartag müsste längst Weltanlagetag heißen. Inflation und niedrige Sparzinsen führen zu einer schleichenden Enteignung: Rund 80 Milliarden Euro an Kaufkraft haben sie allein in Deutschland seit 2009 vernichtet. Tendenz steigend.

2015 war das erste Jahr mit nahezu Null-Zinsen. Hier sehe ich einen Bildungs- und Beratungsauftrag für die gesamte Bankenbranche: In Deutschland haben wir zwar eine gute Sparkultur, aber eine schlechte Anlagekultur.
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