Das Kartell wartet ab

Ali Al-Naimi (Mitte), der saudi-arabische Erdölminister, spricht vor Beginn des Opec-Treffens in Wien mit Journalisten. Die Organisation hat am Freitag beschlossen, ihre Förderpolitik vorerst nicht zu ändern. Bild: dpa

Die Ölpreise sind im Keller. Für Förderländer ist die Situation gefährlich, die Opec will trotzdem vorerst nicht handeln. Freuen dürfen sich vor allem die Verbraucher - jedenfalls bis kommendes Jahr.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) lässt trotz des derzeitigen Überangebots an Rohöl ihre Förderpolitik fast unverändert. "Wir können derzeit keine Zahlen festlegen und haben beschlossen, die Entscheidung auf kommendes Jahr zu verschieben", sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri am Freitag in Wien. Die Preise für Rohöl und in der Folge für Benzin, Diesel und Heizöl dürften damit absehbar niedrig bleiben.

Die Organisation hatte sich bei vergangenen Treffen auf 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag als Förderziel geeinigt. Zuletzt hatte das Ölkartell jedoch um die 32 Millionen Fass pro Tag gefördert und damit maßgeblich zu einem erheblichen Überangebot beigetragen. In den kommenden Monaten dürfte sich daran nun wenig ändern.

Warten auf den Iran

Das Kartell wolle zunächst die weitere Entwicklung beobachten und dann gegebenenfalls bei einem Folgetreffen reagieren, hieß es. Einer der Gründe dafür ist laut Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri der Iran. Es wird nach dem Kompromiss im Atomstreit erwartet, dass die Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik 2016 fallen werden. Das Land könnte dann wieder mehr Öl liefern. Es sei jedoch unklar, wann dies der Fall sein werde, sagte El-Badri. Aus Analysten-Sicht zeigt das Ergebnis jedoch, dass die Opec intern gespalten und derzeit handlungsunfähig ist. Das Kartell hatte vor etwa einem Jahr, angeführt von Saudi-Arabien, seine Strategie geändert: Anstatt wie in vorangegangenen Jahren mit Förderkürzungen niedrige Preise wieder nach oben zu treiben, hatte es verhältnismäßig viel Öl in den Markt gepumpt. Die Opec will damit Marktanteile vor allem gegen Schieferöl-Produzenten in den USA verteidigen. Länder wie Saudi-Arabien, die über erhebliche Reserven verfügen, können unprofitable Preise deutlich länger verkraften. Anderen Staaten wie etwa Venezuela, dessen Haushalt extrem von Öl-Profiten abhängig ist, bereiten die fehlenden Einnahmen jedoch große Probleme.

In den vergangenen Wochen waren die Ölpreise starken Schwankungen unterworfen. Im Schnitt kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar an die 44 Dollar, ein Fass der amerikanischen Sorte WTI um die 40 Dollar. Im Sommer 2014 kostete das Fass noch mehr als 100 Dollar.

Folgen für das Klima

Die günstige Verfügbarkeit von Öl und anderen fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas kann allerdings auch die Entwicklung und den Einsatz alternativer Energien weltweit hemmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte deshalb jüngst vor mangelnden Innovationen und Investitionen bei erneuerbaren Energieträgern. Die Folge wäre unter anderem ein weiterhin erhöhter CO2-Ausstoß.
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