Das laufende Insolvenzverfahren sorgt für schlechte Stimmung bei Mitarbeitern der Luitpoldhütte Amberg
Blaue Briefe vor Weihnachten?

Die Luitpoldhütte in Amberg. (Bild: Huber)

Amberg/Neustadt/WN. Das laufende Insolvenzverfahren der Luitpoldhütte Amberg und die Arbeitszeit der Beschäftigten in der Metallindustrie waren die beherrschenden Themen der 14. Delegiertenversammlung und Ortsvorstandssitzung der IG Metall Amberg am Freitagabend in der Stadthalle.

Freistaat nicht schuld

1. Bevollmächtigter Horst Ott hob hervor, dass bei Einleitung des Insolvenzverfahrens der Luitpoldhütte keine Überschuldung vorgelegen, sondern es sich letztlich um eine Finanzlücke von 500.000 Euro zur Abwicklung von Alltagsgeschäften gehandelt habe. "Es lag auch nicht am Freistaat Bayern", sagte Ott ausdrücklich. Die Ursachen lägen vielmehr beim Anteilseigner, der "finanztechnisch" am Ende sei. Die Mitarbeiter selbst seien zu keinen finanziellen Verzichten bereit gewesen, weil sich ein eventueller Nutzen nicht abzeichnete.

Laut Betriebsratsvorsitzendem Christian Zwack wird das Insolvenzverfahren am 1. Dezember eröffnet. Das Stimmungsbarometer sinke stets, weil wohl gerade vier Wochen vor Weihnachten Kündigungen verschickt werden müssten. "Wir kämpfen mit Leidenschaft", meinte Zwack.

Ott berichtete auch über die Mitgliederentwicklung. Dank 510 Neuaufnahmen werde schon bald der Stand von vor vier Jahren mit 16.000 Mitgliedern erreicht werden. Die finanzielle Lage des IGM-Ortsverbandes sei stabil.

Auseinandersetzung mit Flüchtlingsproblemen

Kritisch setzte sich Ott mit dem Flüchtlingsproblem auseinander. Es habe sich immer wieder gezeigt, dass von einem Krieg betroffene Menschen Schutz und Hilfe in einem sicheren Land suchten. Deshalb dürfe niemand überrascht sein, wenn jetzt Flüchtlinge kämen. Notwendig sei aber auch, nach den Ursachen der Kriege zu forschen. Dabei dürfe auch nicht übersehen werden, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur sei. Mit Waffen aus Deutschland entstünden Angst und Terror, beklagte Ott. Eine Absage erteilte er dem "Aufweichen" von Mindestlohnbestimmungen wegen der Arbeitssuche von Asylbewerbern.

Bei der Nachwahl für den Ortsvorstand wurde Lars Roder mit 53 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen und vier Nein-Stimmen gewählt. Er tritt die Nachfolge von Wolfgang Rösl an.

Jugendwart Matthias Scherr berichtete über eine erfreuliche Entwicklung bei den Mitgliedern im Bereich Auszubildende und Studierende. Demnach gehören dem Ortsverband Amberg derzeit rund 780 Mitglieder an. Somit sind bei 1100 Auszubildenden und Studierenden 70 Prozent in der IG Metall organisiert.

Viele Überstunden

Zum Thema Arbeitszeit eröffnete Ott eine Diskussion. Es gehe nicht um die 35-Stunden-Woche, sondern darum, die persönlichen Interessen der Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Dies gelte auch für die unterschiedlichen Überstundenregelungen. So werden laut Ott oft bezahlte Überstunden zur Regelmäßigkeit und fast zur Verlängerung der Arbeitszeit, andererseits kalkulierten viele Beschäftigte die Auszahlung von Überstunden zur Finanzierung des täglichen Lebens ein. Die Tarifverträge selbst enthielten nur die Regelungen zu den Überstunden und zur Entlohnung, so dass über die einzelnen Details immer zu reden sein werde. Dies alles fließe werde in die künftigen Tarifrunden mit einfließen, kündigte Ott an.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.