Dauerhafte Hilfe weiter nötig

Verliert Griechenland den Euro, schlittert es bis zu zehn Jahre in die Depression, warnt der Ökonom Marcel Fratzscher. Er glaubt an einen Kompromiss im Schuldenstreit und fordert ein drittes Hilfspaket.

Griechenland wird aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung noch lange Hilfe von außen brauchen - ob mit oder ohne Euro. "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass Deutschland mit einem Scheitern der Verhandlungen besser leben kann", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Griechenland wird über Jahre auf europäische Hilfe angewiesen sein, und wenn es humanitäre ist."

Im Schuldenstreit bleibt Athen kaum Zeit für einen Kompromiss. Die Europartner haben eine Frist bis Ende der Woche gesetzt. "Es wird irgendwann einen Deal geben", zeigte sich Fratzscher gewiss. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Je länger es dauert, desto schmerzhafter wird es für die Griechen." Eine weitere Verzögerung könne zu einem kompletten Bankenzusammenbruch führen. Für die nächsten zwei Jahre hält der Ökonom ein drittes Hilfsprogramm mit einem Volumen von 30 bis 40 Milliarden Euro für den griechischen Staat für nötig. Außerdem sei ein zweistelliger Milliardenbetrag für die Banken notwendig. "Perverserweise ist ein drittes Programm durch die griechische Verhandlungsstrategie unausweichlich geworden. Denn die griechische Regierung hat die Wirtschaft vor die Wand fahren lassen."

"Grexit" für alle schlecht

Der DIW-Chef warnte vor einem Euro-Ausstieg Athens. "Der ,Grexit' ist die absolut schlechteste Option für alle. Die deutschen Steuerzahler würden deutlich mehr Geld abschreiben müssen." Eine Rückkehr zur alten griechischen Währung Drachme löse die Schwierigkeiten nicht, widersprach Fratzscher entsprechenden Forderungen. "Das ist wirtschaftlicher Unfug. Wir Deutschen wissen allzu gut, dass man mit einer Weichwährung nicht Wohlstand schaffen kann. Letztlich funktionieren die Institutionen in Griechenland nicht so, wie es für eine Marktwirtschaft notwendig ist", sagte Fratzscher mit Verweis auf Korruption und unzureichende Verwaltung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.