Der Aufräumer

Heute ist John Cryan seit 100 Tagen an der Spitze der Deutschen Bank. Der Brite hat von Anfang keinen Zweifel daran gelassen, dass er harte Einschnitte plant - auch Stellenabbau. Die Erwartungen an den 54-Jährigen sind hoch. Archivbild: dpa

Die Erwartungen an John Cryan sind gewaltig. In seinen ersten 100 Tagen an der Spitze der Deutschen Bank hat sich manches getan. Weitere harte Schritte dürften folgen.

"John Cryan gibt Gas bei der Deutschen Bank" - so oder ähnlich war es in den vergangenen Wochen zu lesen. Seit der neue starke Mann am 1. Juli an die Konzernspitze rückte, ist einiges in Bewegung gekommen bei Deutschlands größtem Geldhaus. Das Geschäft in Russland wird eingedampft, im Privatkundengeschäft gibt es ein neues Führungsteam und angeblich stehen über die Trennung von der Postbank hinaus weitere 8000 bis 10 000 Stellen auf der Kippe. Cryan, der alleinige Vorstandsvorsitzende, zieht intern die Strippen, daran zweifelt kein Beobachter.

Disziplin gefordert

Immerhin ließ der ehemalige Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS von Anfang an keinen Zweifel, wie er die Bank führen wird. Cryan will sich nicht Durchwurschteln und das ramponierte Image der Bank vorübergehend aufpolieren ("Den Status quo beizubehalten, ist keine Option."). "Wir müssen diszipliniert sein bei der Frage, wie, wo und mit wem wir Geschäfte tätigen. Wir müssen alle Länder, Geschäftsfelder, Produkte und Geschäftsbeziehungen, die ökonomisch nicht vertretbar sind, kritisch betrachten", betonte der Manager Ende Juli.

Auch an die verschachtelten Strukturen des Weltkonzerns will Cryan ran: "Unser Geschäftsmodell muss einfacher werden. Zudem müssen wir interne Barrieren überwinden und eine Kultur der Zusammenarbeit schaffen". Prozesse seien "ineffektiv", die IT "veraltet", das führe zu "inakzeptabel hohen" Kosten. Noch im Oktober will die Bank die Öffentlichkeit wissen lassen, an welchen Stellschrauben gedreht wird.

Milliardenverlust

Nach der Entmachtung von Anshu Jain und Cryans Berufung gab es viele Vorschusslorbeeren für den Briten. An der Börse sind die Erwartungen nun schon fast erdrückend groß. Nun muss Cryan liefern. Doch zuletzt wuchsen bereits Zweifel, ob es zum ersehnten Befreiungsschlag kommt. Denn der würde wohl viel Geld kosten. Geld, das bei der Deutschen Bank auch wegen der schwebenden juristischen Verfahren knapp ist. In der Nacht zum Donnerstag dann der nächste Paukenschlag: Die Bank kündigte für das dritte Quartal einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro an. Das Unternehmen werde auf Vermögenswerte im Privatkundengeschäft und im Investmentbanking rund 5,8 Milliarden Euro abschreiben, kündigte die Bank an. Dazu kommen weitere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 1,2 Milliarden Euro. Der Konzern kündigte zugleich an, die Dividende für dieses Jahr zu reduzieren oder ganz zu streichen.
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