Der Geist im Server
Googles Helfer

Google hat in San Francisco sein neues Smartphone Pixel vorgestellt. Bild: dpa

Auch wenn Google das erste beim Konzern entworfene Smartphone und einen vernetzten Lautsprecher vorstellte, eigentlich ging es dabei nicht um die Hardware. Die Geräte sind Schnittstellen, über die künstliche Intelligenz mit Menschen kommunizieren soll.

San Francisco. Bei Googles Neuheiten-Präsentation am Dienstag in San Francisco ging es vordergründig um neue Geräte, wie das Smartphone "Pixel" samt VR-Brille und den vernetzten Lautsprecher "Home". Doch das "Herzstück" beider Geräte ist der Google Assistant, der auf Googles Wissen über die Welt zurückgreife, wie Konzernchef Sundar Pichai klarstellte. Zum "Pixel"-Marktstart am 20. Oktober soll der Assistent auch Deutsch beherrschen.

HTC baut das "Pixel"


Um ihn besser in ein Smartphone zu integrieren, habe Google erstmals selbst komplett ein Telefon entworfen - auch wenn das "Pixel" eigentlich vom Hersteller HTC gebaut wird. "Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Kommunikation mit digitalen Assistenten die nächste Form sein wird, die Computer-Technik annimmt", sagt Analyst Ranjit Atwal vom IT-Marktforschungsunternehmen Gartner. Sprache sei natürlich, und wenn die Interaktion mit Geräten gut klappe, würden die Menschen sie auch schnell annehmen. Alle Großen der Branche arbeiten daran. Apple hat die sprechende Assistentin Siri. Microsofts Gegenstück heißt Cortana. Und der Online-Händler Amazon landete einen Hit mit dem vernetzten Lautsprecher "Echo", über den die Assistentin Alexa mit den Nutzern kommuniziert.

Google will das Zuhause nicht Amazon überlassen und lässt jetzt gegen das Gespann von "Echo" und Alexa den Lautsprecher "Home" und seinen Assistenten antreten. Das Konzept ist bemerkenswert ähnlich: Man sagt "Hey, Alexa" oder "Okay, Google" - und ist im Gespräch mit künstlicher Intelligenz. Dann könne man zum Beispiel Fragen, wie heute die Verkehrslage sei, erklärte Entwickler Mario Queiroz in San Francisco. Die Software dahinter ist so schlau, wie Google es ist. Anhand von Einkaufslisten wurde demonstriert, wie verschiedene Geräte zusammenspielen. Man sagt dem Lautsprecher: "Zeige mir die Einkaufsliste" - und sie wird auf dem Smartphone eingeblendet. Mit der Funktion "Mein Tag" kann der Lautsprecher einem am Morgen den Tagesablauf erzählen. Voraussetzung ist natürlich, dass man den gesamten Inhalt seines Kalenders bei Google hat.

Und hier wird deutlich - jeder Assistent ist nur so nützlich, wie gut er den Menschen kennt. "Die Anbieter werden versuchen, so viele Daten wie möglich über die Nutzer zu erfahren", betont Gartner-Analyst Atwal. Das Vertrauen zu einem Anbieter beim Datenschutz werde eine zentrale Rolle spielen. Schließlich müssten sich die Menschen an den Gedanken gewöhnen, dass um sie herum ständig Mikrofone lauschten. Und Google will die Plattform öffnen, damit alle Hersteller den Assistenten in ihre Technik integrieren können. "Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der der Assistant in jeder Situation von jedem Gerät aus helfen kann", betonte Hardware-Chef Rick Osterloh am Dienstag.

Individuelle Werbung


Bleibt die Frage nach dem Geschäftsmodell. Bei Amazon ist das klar - über den "Echo" kann man zum Beispiel auch alle möglichen Verbrauchsartikel per Sprachbefehl nachbestellen. Im Fall von Google wird es schwieriger: Der Konzern verdient sein Geld nach wie vor hauptsächlich mit Werbeanzeigen im Umfeld der Internet-Suche. Allerdings glaubt Gartner-Analyst Atwal, dass der Online-Riese mit Daten profitieren kann: Google werde über die Interaktion mit dem Assistenten mehr über die Nutzer lernen, um ihnen besser auf sie zugeschnittene Werbung zeigen zu können.
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