Der neue Berliner Flughafenchef Karsten Mühlenfeld macht wenig Wirbel
Der Anti-Mehdorn

Der Berliner Karsten Mühlenfeld studierte Maschinenbau an der TU ("Abschluss als Jahrgangsbester", wie es im offiziellen Lebenslauf heißt) und promovierte auch dort. Bei Rolls-Royce trieb Mühlenfeld den Aufbau der Triebwerksfertigung in Dahlewitz bei Berlin voran, den mit mehr als 2200 Beschäftigten größten deutschen Standort des Konzerns. Archivbild: dpa
Als er sein Chefbüro bezieht, steht alles schon fest: Wer was baut, wie es zu bauen ist und wann es fertig zu sein hat. Es gibt Chefs mit mehr Bewegungsfreiheit als Karsten Mühlenfeld, der am Dienstag seit 100 Tagen auf einem der gefürchtetsten Managerposten der Republik sitzt: dem Vorsitz der Geschäftsführung der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft. So kann man es sehen. Man kann es aber auch anders sehen: Mühlenfelds eigentliche Aufgabe ist eine andere, und er füllt sie in den ersten Monaten ganz anders aus als sein umtriebiger Vorgänger Hartmut Mehdorn. Sachlich und auf Ausgleich bedacht, aber auch ohne große neue Pläne und Visionen.

"Nicht dass da Verzögerungen entstehen, weil umgeplant wird", warnt Mühlenfeld. "Wir müssen jetzt erst mal fertigbauen." Damit rückt er Überlegungen Mehdorns auf der Tagesordnung nach hinten, den Flughafen frühzeitig zu erweitern und ans unfertige Terminal anzubauen. Frühestens im Sommer 2016 - wenn das bisher Geplante fertig gebaut ist und getestet wird - soll ein zusätzliches Terminal geplant werden, ein einfacher Behelfsbau, mehr vorerst nicht. Denn dass der Berliner Luftverkehr wächst und der drittgrößte deutsche Flughafen inzwischen zu klein geplant ist, hat sich mit dem Wechsel von Mehdorn zu Mühlenfeld nicht geändert.

"Guter Start"

Bei seinen ersten Auftritten wirkt der Maschinenbauer mit dem Bürstenschnitt mitunter etwas aufgekratzt. Seine Sätze, schnell dahin berlinert, kommen leichtfüßig rüber, auch mal flapsig. Das überdeckt, dass der 52-Jährige die Herausforderungen auf der berüchtigten Baustelle sehr nüchtern betrachtet und gedankenschnell argumentiert. Mühlenfeld überlegt sich gut, was er sagt, hält den Flughafen damit aus den Schlagzeilen. Anders als der streitlustige Mehdorn, der immer wieder mit dem Kopf durch die Wand wollte. "Guter Start auf schwierigem Terrain", quittiert der amtierende Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. "Es gibt nicht viel zu meckern", gibt auch Martin Delius (Piratenpartei) zu, der Vorsitzende des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses. Er hält dem 52-Jährigen zugute, dass er Ruhe in das Projekt brachte und den Vorgaben des Aufsichtsrats folgt - was in normalen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist.

Kein Prellbock

Das Umfeld ist schon seit einigen Monaten zufriedener. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) lobte vor Wochen: "Wir haben den Eindruck, dass die Zusammenarbeit sehr viel besser geworden ist in letzter Zeit." Der zuständige Landrat, Stephan Loge, dessen Bauordnungsamt den Flughafen abnimmt, sagt: "Wir sind jetzt langsam in der Gewohnheit, dass Termine eingehalten werden." Mühlenfeld soll das Projekt vor allem nach außen vertreten - und damit auch das Umfeld befrieden. Erst gut 2000 von 25 000 berechtigten Haushalten haben Schallschutz. Aufsichtsrat Bretschneider wünscht seinem Geschäftsführer denn auch, beim Lärmschutz nicht den Mut zu verlieren. Eines fehlt den Politikern im Aufsichtsrat jedoch, seit Mühlenfeld im Amt ist: ein Prellbock für die öffentliche Kritik. Mehdorn zog gern alle Pfeile auf sich, während die Aufseher in Deckung gingen. Der Neue bietet bisher kaum Angriffsfläche.

"Man muss ein dickes Fell haben", weiß Mühlenfeld vor seinem Amtsantritt. Als ein Interviewer fragt, ob er seine Hand für eine Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 ins Feuer lege, lacht der Berliner: "Meine Hände sind mir wichtig."
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