Der neue "Herr der drei Streifen"
Kasper Rorsted tritt in große Fußstapfen

Kasper Rorsted. Archivbild: dpa

Er ist der neue "Herr der drei Streifen" - seit gut einem Monat lenkt Ex-Henkel-Chef Kasper Rorsted die Geschicke von Adidas. Am Donnerstag präsentiert er erstmals Quartalszahlen - die seines Vorgängers Herbert Hainer. Der hinterlässt große Fußstapfen.

Herzogenaurach. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt als neuer Adidas-Chef. Wenn Kasper Rorsted am Donnerstag Quartalszahlen des Sportartikelkonzerns erläutert, wird der Däne dabei schwerlich an seinem Vorgänger Herbert Hainer vorbeikommen. Denn was immer er an Bilanzzahlen präsentiert - sie sind Teil der Erfolgsgeschichte des Ende September ausgeschiedenen Hainer. Der hatte es nach einer schweren Krise von Adidas im Jahr 2014 noch einmal allen gezeigt und den fränkischen Dax-Konzern wieder auf die Erfolgsspur gesetzt. "Adidas ist in Topform", hatte Hainer noch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August verkündet - und dies mit atemberaubenden Wachstumsraten belegt.

Die Latte liegt hoch


Im dritten Quartal dürfte es weiter bergauf gehen, schätzen Experten. Sie erwarten einen Umsatzanstieg von rund 12 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Der Gewinn aus dem fortgeführtem Geschäft dürfte um 17,5 Prozent auf 396 Millionen Euro zulegen. Auch für das Gesamtjahr liegt die Latte hoch: Bis zu einer Milliarde Euro Gewinn soll am Ende in den Büchern stehen. Das wären fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Treiber waren die Fußball-EM in Frankreich und die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Adidas feierte zuletzt aber auch große Erfolge mit modischen Lifestyle-Artikeln und konnte prominente Werbeträger aus dem Showbusiness gewinnen.

Rorsted, so hört man aus der Firmenzentrale, scheint das nicht weiter nervös zu machen. Wie der drahtige Ex-Henkel-Chef gepolt sei, sehe er das sportlich, heißt es. Er übernehme lieber einen FC Bayern als einen erfolglosen Fußballverein wie 1860 München. Und auch wer glaubt, der neue Adidas-Chef werde den Sportartikler mit einer neuen Strategie aufmischen, könnte sich täuschen. Dazu, so hört man aus seinem Umfeld, hält Rorsted Adidas für viel zu gut aufgestellt. Auch Analysten glauben nicht an bahnbrechende Veränderungen in der Adidas-Marschrichtung - eher Anpassungen hier und da. Aber auch damit dürfte sich der Manager bis ins nächste Jahr Zeit lassen, erwartet Volker Bosse von der Baader Bank.

Mit einigen Punkten muss sich der neue Adidas-Chef dennoch auseinandersetzen. Erz-Rivale Nike beispielsweise, aber auch der kleinere Konkurrent Under Armour wirtschaften profitabler als Adidas. Das liegt aus Sicht von Christian Schwenkenbecher von der Privatbank Hauck & Aufhäuser vor allem an dem Heimvorteil der beiden US-Wettbewerber: Die USA sind der wichtigste Sportmarkt der Welt. Adidas hat sich daher auch in den vergangenen Jahren schwer ins Zeug gelegt, um bei den dortigen Verbrauchern wieder stärker angesagt zu sein.

Auf Rendite trimmen


Während seiner Zeit beim Persil-Hersteller Henkel hat Rorsted auf jeden Fall bewiesen, dass er Unternehmen auf Rendite trimmen kann. Dass er bei der Kostenkontrolle auch bei Adidas nachjustieren wird, ist nahe liegend. Und noch etwas hat er bei seinem früheren Arbeitgeber gezeigt: Er kann einen Schnitt machen, bleibt der gewünschte Erfolg aus. Etliche Henkel-Marken, die nicht mehr ins Konzernprofil passten oder nicht die gewünschten Resultate lieferten, hat er verkauft.

Das wirft die Frage nach der Zukunft der Adidas-Tochter Reebok auf. Der auf Fitness ausgerichtete Adidas-Ableger ist auch viele Jahre nach der Übernahme nicht so rentabel, wie sich das einst Vorstand und Anleger gewünscht haben. Hainer, der damals den milliardenschweren Kauf von Reebok einfädelte, hatte eine Trennung stets kategorisch abgelehnt. Ob der Neue ähnlich viel Geduld mitbringt, wird sich weisen.
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