Der Salz- und Kalihersteller K+S steht in einer der schwersten Krisen der Unternehmensgeschichte
Nach 125 Jahren vor einer ungewissen Zukunft

Ein Bergmann geht im unterirdischen Rohsalz-Großbunker des Kaliwerks Werra bei Heringen (Hessen) an einem Radlader entlang. Archivbild: dpa
Um den wachsenden Hunger der Welt zu stillen, braucht es Dünger für die Landwirtschaft: Das ist die Botschaft des Salz- und Kaliherstellers K+S. In 125 Jahren Unternehmensgeschichte, die K+S in diesen Tagen feiert, hat sich der Dax-Konzern zum weltgrößten Salzproduzenten aufgeschwungen, doch ausgerechnet das weit wichtigere Kaligeschäft schwächelt. "Unsere Produkte werden in den nächsten Jahrzehnten dringender gebraucht denn je", sagt Vorstandschef Norbert Steiner zwar. Dennoch erlebt das Unternehmen derzeit wohl eine seiner schwersten Krisen. Ein 500-Millionen-Euro-Sparprogramm läuft gerade an, Stellenstreichungen sind wahrscheinlich.

Vor allem zwei Herausforderungen werden K+S in den kommenden Jahren beschäftigen: Da ist das Milliarden-Projekt Legacy - sozusagen die Lebensversicherung für K+S. Das 4,1 Milliarden kanadische Dollar (rund 2,9 Milliarden Euro) teure Kaliwerk in der kanadischen Provinz Saskatchewan soll im Sommer 2016 in Betrieb gehen. Für K+S eröffne sich damit eine "Perspektive über die zeitliche Reichweite unserer deutschen Kalivorkommen hinaus. Wir säen jetzt, um später ordentlich zu ernten", betont Steiner.

Das ist auch nötig, denn an den bisherigen deutschen Standorten ist die Kaliproduktion nur noch wenige Jahrzehnte möglich. Zudem ist K+S hier Analysten zufolge weitgehend an der Kapazitätsgrenze. Doch wenn die Nachfrage nach Kali steigt und K+S nicht zusätzlich produzieren kann, verliert das Unternehmen Marktanteile. Obwohl einer der größten Kaliproduzenten der Welt, diktieren die Kalipreise dann andere.

Salzwasser in der Werra

Eine weitere "Baustelle" ist die Abwasserproblematik bei der Kaligewinnung an der osthessischen Werra. Schon seit mehr als einem Jahrhundert wird Salzabwasser aus dem Kalibergbau an der hessisch-thüringischen Grenze in die Werra geleitet. Von dort fließt es in die Weser und schließlich bei Bremerhaven in die Nordsee. Fast genauso lange wettern Umweltschützer gegen die Einleitung, denn die Werra ist der am stärksten mit Salz belastete Fluss in Mitteleuropa. Erst vor wenigen Tagen wurde die lange favorisierte Pipeline-Lösung zur Oberweser oder gleich an die Nordsee von der Landesregierung in Wiesbaden beerdigt - zu teuer, politisch nicht durchsetzbar. Für die mit Hessens Umweltministerium ausgehandelte neue Lösung muss das Unternehmen künftig tief in die Tasche greifen. Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro sieht ein Stufenplan bis zum Jahr 2075 vor, damit die Werra wieder Süßwasserqualität erreicht.

Seit 2008 im Dax

Wer die Arbeitsplätze in der Region wolle - immerhin rund 4400 im Werk Werra - müsse es "aushalten, dass Emissionen da sind", hatte der Vorstandsvorsitzende vor den intensiven Verhandlungen mit Hessens grüner Umweltministerin Priska Hinz erklärt. Nach den seit Mai laufenden Gesprächen zeigten sich der Manager und die Politikerin aber zufrieden mit der Gesamtlösung. Steiner sprach von einem guten Tag für die Beschäftigten und ihre Jobs in der Werra-Region.

Seit 2008 ist K+S im deutschen Leitindex Dax. Mit der Übernahme des amerikanischen Salzproduzenten Morton Salt stieg K+S 2009 zum weltgrößten Salzhersteller auf. Mit rund 14 000 Mitarbeitern erzielte K+S 2013 einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro.
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