Desaster für Volkswagen

Da kann der VW-Mitarbeiter den Golf TDI mit "Clean Diesel" (sauberer Diesel) noch so sehr polieren - der Ruf des Herstellers hat Kratzer bekommen. In den USA soll Volkswagen Abgaswerte manipuliert haben. Bild: dpa

VW soll in den USA die Abgaswerte von Diesel-Autos manipuliert haben. Dem Konzern drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe und ein nicht absehbarer Imageschaden. Das Ausmaß des Skandals ist noch unklar. Die Branche ist geschockt.

Die US-Umweltbehörde EPA beschuldigt VW gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" verstoßen zu haben. Der Konzern soll mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgasuntersuchungen geschönt haben. Volkswagen hat das mittlerweile zugegeben. "Die Manipulation an der eingesetzten Software hat es gegeben", sagte ein Sprecher des Konzerns am Sonntag in Wolfsburg. Zuvor hatte VW-Chef Martin Winterkorn in einer Erklärung sein Bedauern darüber ausgedrückt, das Vertrauen von Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht zu haben. Der Vorstand nehme die Verstöße sehr ernst.

Hohe Strafzahlungen

Der Autobauer versprach am Samstag eine umfassende Zusammenarbeit mit den US-Behörden. VW blühen schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar und ein noch nicht abzuschätzender Imageschaden.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert nun auch, die Praxis von Abgastests in Europa zu untersuchen. "Sicherlich müssen jetzt auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa und Deutschland eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgaukelt", sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe ("Hamburger Abendblatt").

Die US-Umweltbehörde EPA wirft VW vor, die Ermittlungen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Betroffen sind bisher rund 482 000 Autos. Laut EPA soll das Programm ermöglichen, das Abgas-Kontrollsystem nur bei offiziellen Emissions-Tests zu aktivieren. Das würde bedeuten, dass die Luftverpestung im Normalbetrieb viel höher wäre. Bislang seien Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 aufgefallen, darunter das für VW in den USA wichtigste Modell Jetta, aber auch der Golf, Beetle und der Passat und der Audi A3. "Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", hatte EPA-Vertreterin Cynthia Giles gesagt. Ihre Behörde werde die Untersuchungen in diesem "sehr ernsten" Fall fortsetzen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass weitere Verdachtsfälle ans Licht kämen.

Fahrverbot gefordert

Dudenhöffer sieht nun Volkswagen-Chef Martin Winterkorn in der Verantwortung. "Wir haben es hier mit einer Sache zu tun, die nicht beim Pförtner endet", sagte Dudenhöffer. Der Fall könne die gesamte deutsche Autoindustrie beschädigen. Der Autofachmann Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach zeigt sich entsetzt: "Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie", sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in den USA ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien indirekt betroffen. "Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA - und jetzt das", sagte Bratzel.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will nun angesichts der Manipulationsvorwürfe gegen VW ein Fahrverbot von Dieselautos in Deutschland erreichen.
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