Deutliche Preissteigerungen
Für Stromkunden Ende der Verschnaufpause

Im neuen Jahr wird für Millionen Haushalte der Strom teurer. Das ergab eine bundesweite Auswertung von Strompreisportalen sechs Wochen vor der Jahreswende. Archivbild: dpa

Um runde 50 Euro pro Haushalt soll der Strom im kommenden Jahr teurer werden. Das liegt auch an den hohen Lasten für die Energiewende. Vor allem die Kosten für die Stromnetze steigen stark.

Berlin. Nach einem Jahr praktisch ohne Steigerungen geht es für Millionen Haushalte beim Strompreis zum Jahresanfang 2017 wieder spürbar nach oben. Das ergaben bundesweite Vergleiche der Preisportale Check-24 und Verivox. Die Stromkonzerne müssen Preiserhöhungen sechs Wochen vorher ankündigen - zum kommenden Jahr also bis zum Anfang dieser Woche.

208 Versorger - fast jeder vierte Anbieter - hätten bis zum Stichtag Erhöhungen um durchschnittlich 3,5 Prozent angekündigt, sagte Check-24-Geschäftsführer Energie Oliver Bohr. Das entspricht etwa 50 Euro im Jahr. Insgesamt rechne er für 2017 mit Strompreiserhöhungen um vier bis fünf Prozent. Das Portal Verivox kam sogar auf 250 Anbieter mit Erhöhungen zum Jahresbeginn um ebenfalls durchschnittlich 3,5 Prozent. Grund für die Erhöhungen sind nach Einschätzung von Fachleuten nicht die - weiter recht niedrigen - Strom-Beschaffungspreise an der Strombörse sondern die Ökostrom-Umlage. Diese steigt 2017 um 8,3 Prozent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Zudem wachsen die Kosten für die Stromnetze. Beide Posten machen zusammen rund die Hälfte des Strompreises aus.

Netzentgelte steigen


"Die Netzentgelte sind der größte Kostentreiber bei den Strompreisen", sagt etwa Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft des Ökostromanbieters Lichtblick. "Weil die Netzgebühren in den meisten Regionen Deutschlands auch 2017 wieder deutlich steigen, erwarten wir flächendeckend höhere Strompreise." Lücking wirft den Stromkonzernen und Stadtwerken vor, für ihre Stromnetze übertrieben hohe Renditen zu kassieren.

Die Stromkunden zahlen mit EEG-Umlage und Netzentgelten zugleich kräftig für die Energiewende mit. Allein das Vergütungsaufkommen für Erneuerbare Kraftwerke aus der EEG-Umlage wird laut Bundesnetzagentur für 2017 auf 29,5 Milliarden geschätzt, denen nur knapp 5 Milliarden Euro Einnahmen für diesen Strom am Markt gegenüberstehen.

Die Netzkosten decken nicht nur den Bau neuer Leitungen und Unterhalt bestehender Netze ab, die Kunden zahlen auch für Eingriffe der Netzmanager wegen der starken Schwankungen der Wind- und Sonnenproduktion. Dazu zählt vor allem die kostenpflichtige Abschaltung von Windkraftanlagen, wenn die bestehenden Leitungen ihren Strom nicht mehr transportieren können, oder der Einsatz von Reservekraftwerken bei regionaler Unter- und Überversorgung. Die Kosten dafür wachsen stark und liegen derzeit bei rund einer Milliarde Euro im Jahr.

Für politischen Zündstoff sorgt dabei die ungleiche Verteilung der Netzkosten: Die Netzentgelte wachsen nämlich besonders stark auf dem Land, im Osten und in Bayern - überall, wo besonders viele Wind-und Sonnenenergieanlagen errichtet und angeschlossen werden müssen - während der Westen mit seinen modernen Stromleitungen und vergleichsweise weniger Erneuerbaren-Kraftwerken geringer draufzahlt.

Gesetzliche Regelung


Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet kündigte etwa Ende September eine massive Erhöhung seiner Netzentgelte um 80 Prozent an - ein Paukenschlag. Im Westen kalkuliert das Dortmunder Netzunternehmen Amprion dagegen für 2017 nur mit vergleichsweise moderaten Zuwachsraten von rund zehn Prozent. Energieexperten fordern deshalb schon länger bundeseinheitliche Netzentgelte, die Bundesregierung plant ein entsprechendes Gesetz.

Wenn Strompreise steigen, können Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht nutzen. Schließlich haben Stromhaushaltskunden je nach Region inzwischen die Wahl zwischen im Schnitt rund 100 verschiedenen Anbietern.
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