Deutsche Autobauer kaufen Kartendienst

Nach Nokia-Angaben laufen 80 Prozent der eingebauten Navigationssystemen in Westeuropa und den USA mit Here-Karten. Bild: Here/dpa

Drei deutsche Autohersteller sind bald Besitzer eines eigenen Kartendienstes. Die Karten von Nokias Here wurden speziell für selbstfahrende Fahrzeuge entwickelt. Der Milliardendeal ist auch ein Zeichen für die schärfere Rivalität mit Apple und Google.

Daimler, Audi und BMW rüsten sich für die Ära selbstfahrender Autos mit dem Kauf eines eigenen Kartendienstes. Sie übernehmen für 2,8 Milliarden Euro die Sparte Here von Nokia. Die drei Partner bekämen jeweils gleiche Anteile, keiner von ihnen strebe eine Mehrheit an, teilten die Autokonzerne und der finnische Telekom-Ausrüster am Montag mit. Es ist eine beispiellose Kooperation für die drei rivalisierenden Hersteller.

Der Dienst war von Nokia auf hochpräzise Straßenkarten für autonom fahrende Autos ausgerichtet worden. Here werde eine "Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität" spielen, erklärte BMW-Chef Harald Krüger. Daimler-Chef Dieter Zetsche bezeichnete hochpräzise digitale Karten als einen entscheidenden Baustein für die Mobilität der Zukunft.

Apple und Google

Die Autohersteller befürchten einen zu großen Einfluss von Apple und Google bei der Vernetzung ihrer Fahrzeuge. Beide Smartphone-Riesen bieten Plattformen zur besseren Integration der Telefone im Auto an. Teil von Apples Carplay und der Plattform Android Auto für Smartphones mit dem Google-Betriebssystem sind auch die jeweiligen Kartendienste der beiden amerikanischen Schwergewichte. Nokia rechnet damit, bei dem Verkauf einen Buchgewinn von einer Milliarde Euro zu erzielen. Der Betrag von 2,8 Milliarden Euro soll noch um einige Verbindlichkeiten von Here reduziert werden, so dass dem finnischen Konzern am Ende gut 2,5 Milliarden Euro zufließen sollen. Über die Jahre hatte Nokia aber einige Milliarden mehr in den Ausbau des Dienstes investiert.

Here sitzt hauptsächlich in Berlin und hatte Ende Juni rund 6450 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz von Here als Nokia-Sparte um ein Viertel auf 551 Millionen Dollar. Es gab einen operativen Gewinn von 28 Millionen Dollar. Nokia verkauft seinen Kartendienst, um sich auf das Kerngeschäft als Ausrüster von Telekom-Netzwerken zu konzentrieren und den Konkurrenten Alcatel-Lucent zu kaufen. Der 15,6 Milliarden Dollar schwere Deal soll Nokia Networks zur Nummer eins in dem Geschäft machen. Nokia wird nach dem Verkauf nur noch aus dem Netzwerk-Geschäft und der "Technologies"-Sparte bestehen, die auch an einer Rückkehr ins Verbrauchergeschäft arbeitet. Der finnische Konzern hatte seine Handy-Sparte 2014 an Microsoft verkauft und muss noch bis 2016 warten, bis er seinen Markennamen wieder auf Smartphones nutzen kann.
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