Deutsche Bank: Aktionäre verärgert

Was sie von den vielen Skandalen, in die die Deutsche Bank verwickelt war und ist, halten, machten Demonstranten am Donnerstag in Frankfurt deutlich. Bild: dpa

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Kurz vor der Hauptversammlung baut der Konzern den Vorstand um - die Grundsatzkritik vieler Aktionäre am Kurs der Doppelspitze bremst das allerdings nicht.

Ein neuer Vorstand soll bei der Deutschen Bank den umstrittenen Kurswechsel vorantreiben. "Auch wenn manche über Phantomschmerzen zu verfügen scheinen: Richtungsdiskussionen gehören der Vergangenheit an", betonte Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt. Wenige Stunden vor Beginn des Aktionärstreffens hatte der Aufsichtsrat einen Umbau des Top-Managements beschlossen.

Umbau des Vorstands

Die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumten vor den Aktionären ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte war. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management unterschätzt, wie stark die Aufseher weltweit die Zügel für Banken anziehen. "Wir sind freilich noch nicht am Ziel, der Umbau geht weiter", sagte Fitschen.

Die Konzernführung will die Tochter Postbank abzustoßen. Zudem will die Deutsche Bank bis zu 200 eigene Filialen schließen. Einschnitte gibt es auch im Kapitalmarktgeschäft. Privatkunden-Chef Rainer Neske, der vergeblich gegen die Trennung von der Postbank gekämpft hatte, wird die Deutsche Bank nach 25 Jahren zum 30. Juni verlassen. Der zweite Mann in der Privatkunden-Sparte, Christian Ricken, verliert seinen Posten im erweiterten Vorstand und dürfte die Bank verlassen. Neuer Privatkunden-Chef wird Christian Sewing, der seit Jahresbeginn für die juristischen Altlasten zuständig ist. Der vor allem in Deutschland umstrittene Jain übernimmt die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung. Fitschen, der durch den laufenden Prozess in München belastet ist, bekommt keine neue Aufgabengebiete, sondern gibt die Zuständigkeit für die unternehmensinterne "Bad Bank" ab.

Die Abwicklungssparte übernimmt der bisher für die Strategie zuständige Finanzvorstand Stefan Krause. Er ist künftig zudem für große internationale Zahlungsverkehrs- und Finanzierungsdienstleistungen zuständig. Das Finanzressort gibt Krause - wie schon länger bekannt - an den früheren Eon-Manager Marcus Schenck ab. Gehen muss mit Alan Cloete ein enger Jain-Vertrauter. Der gebürtige Südafrikaner war zuletzt im erweiterten Vorstand für das Asiengeschäft zuständig. Zuvor leitete er den Handel mit Zinsprodukten und Devisen. In diesem Bereich fanden etwa die Manipulationen der Libor-Kurse statt, die der Bank Milliardenstrafen einbrockten.

"Casino-Spielchen"

"Wir Aktionäre zahlen jetzt die Zeche für die Casino-Spielchen unserer Investmentbanker aus der Vergangenheit", kritisierte der Vizechef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding. Die DSW will - notfalls vor Gericht - die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers zum Thema Altlasten durchsetzen. Und Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, sagt: "Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen."
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