Deutsche-Bank-Chef Cryan sieht Spekulanten am Werk
Im Abwärtsstrudel?

Die Verunsicherung über die Stabilität der Deutschen Bank (im Bild die Zentrale in Frankfurt) sitzt tief - trotz aller Bemühungen der Frankfurter, wieder Ruhe einkehren zu lassen. Die Aktie kennt zurzeit nur eine Richtung: nach unten. Bild: dpa

Frankfurt/New York. Die Deutsche Bank kommt nicht aus Turbulenzen. Am Freitag sackte der Aktienkurs zeitweilig in die Tiefe, schloss aber dann deutlich im Plus. Zuvor hatte die Nervosität offenbar auch Spuren im Tagesgeschäft hinterlassen. Hintergrund waren Berichte, einige Hedgefonds hätten Geschäfte mit der Bank zurückgefahren und Geldbestände aus deren Handelsbereich abgezogen. Deutsche-Bank-Manager Barry Bausano sprach von normalen Schwankungen. Es habe in dieser Woche sowohl Zu- als auch Abflüsse gegeben.

Dickes Geldpolster


Die Bank betonte erneut ihre Stabilität und verwies auf die umfangreiche Liquidität von mehr als 200 Milliarden Euro. "Unsere Geschäftspartner gehören zu den weltweit anspruchsvollsten Investoren", erklärte das Institut in einer Stellungnahme. "Wir sind davon überzeugt, dass die große Mehrheit von ihnen unsere stabile finanzielle Position, das gegenwärtige gesamtwirtschaftliche Umfeld, die Rechtsstreitigkeiten in den USA und die Fortschritte, die wir bei der Umsetzung unserer Strategie machen, sehr gut versteht."

Angesichts immer neuer Spekulationen um Kapitallücken und mögliche Staatshilfen haben die Aktien in den vergangenen zwei Wochen ein Viertel an Wert verloren. Die Bank ist derzeit an der Börse keine 14 Milliarden Euro mehr wert.

Unterstützung erhielt die Deutsche Bank von einigen wichtigen Analysten. "Wir glauben, dass die Liquiditätssituation der Bank stabil ist", schrieb Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen in einer Einschätzung. Er betonte zugleich, die Bank brauche nun dringend gute Nachrichten. Vor allem eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten wäre immens wichtig. Auch Analyst Jon Peace von der Schweizer Großbank Credit Suisse hält die jüngste Entwicklung an den Börsen für übertrieben.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan macht Spekulanten für den Absturz an den Finanzmärkten verantwortlich. Am Markt seien gerade einige Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in das Institut schwächen wollten, schrieb der Manager am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter. "Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst." Cryan warnte vor einer Überbewertung der Meldungen, dass einzelne Hedgefonds-Kunden die Bank verlassen hätten. "Das sorgt zu Unrecht für weitere Unruhe." Er verwies darauf, dass der Konzern mehr als 20 Millionen Kunden habe.

"Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank", schrieb Cryan. Das Institut erfülle alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sei beim Umbau im Plan. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden.

Wie hoch wird die Strafe?


Auslöser für die große Nervosität der vergangenen Tage ist die Drohung der US-Justiz, der Deutschen Bank für Vergehen mit Hypothekenpapieren eine Strafe von 14 Milliarden Dollar aufzubrummen. Die Deutsche Bank betont zwar, dass die Zahlung am Ende deutlich niedriger ausfallen werde. Dennoch herrschen an den Finanzmärkten derzeit Sorgen vor, dass das Institut das Geld nicht aus eigener Kraft aufbringen kann. In dieser Woche wurde deshalb darüber spekuliert, dass die Bundesregierung an Notfallplänen für die Bank arbeite, was aber dementiert wurde.
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