Deutsche Bank entsetzt die Anleger
„Harte Arbeit und Belastungen“

Juristische Altlasten, noch nicht aufgearbeitete Skandale und der teure Konzernumbau belasten die Deutsche Bank. Bild: dpa

Die Deutsche Bank stürzt noch tiefer in die roten Zahlen als in der Finanzkrise. Anleger reagieren entsetzt. Mit einem Radikalumbau will der neue Chef Cryan das Institut wieder auf Erfolgskurs bringen.

Frankfurt. Harte Zeiten für die Deutsche Bank und ihre Mitarbeiter: Nach einem milliardenschweren Rekordverlust 2015 schwört Bankchef John Cryan die Beschäftigten auf "harte Arbeit und Belastungen" in den kommenden beiden Jahren ein. Der Radikalumbau des Konzerns sei alternativlos, schrieb Cryan in einer Botschaft an die Beschäftigten.

Cryans erste Jahresbilanz fällt tiefrot aus. Die Bank erwartet nach vorläufigen Zahlen mit rund 6,7 Milliarden Euro den größten Jahresverlust ihrer Unternehmensgeschichte. Für 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen - mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Details zur Bilanz will die Bank am 28. Januar vorlegen. Die vorläufigen Zahlen kamen an der Börse schlecht an: Der Kurs der Aktie verlor zeitweise fast 10 Prozent. Zum Börsenschluss stand das Papier mit 3,36 Prozent im Minus.

Teure Rechtsstreitigkeiten


Der erste Jahresverlust seit der Finanzkrise 2008 (rund 3,9 Milliarden Euro) sei zwar "ernüchternd", räumte Cryan ein. Es gehe jedoch darum, die Bank "einfacher und effizienter" zu machen, Risiken zu verringern und "Rechtsstreitigkeiten so rasch wie möglich abzuschließen", so der Brite. "Mit diesen Schritten schaffen wir das Potenzial, uns zu einer starken, effizienten und gut geführten Institution zu entwickeln."

Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen und Kosten für Stellenstreichungen belasten den deutschen Branchenprimus. Ende Oktober hatte der Konzern für das dritte Quartal mit einem Rekord-Fehlbetrag von sechs Milliarden Euro geschockt - wegen milliardenschwerer Abschreibungen im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft. Für Rechtsstreitigkeiten wird die Bank im vierten Quartal voraussichtlich weitere 1,2 Milliarden Euro zurücklegen. "Diese Belastungen können sich durch weitere Entwicklungen bis zur Veröffentlichung des endgültigen Jahresabschlusses am 11. März 2016 noch verändern", erklärte Cryan. Bisher sieht der Dax-Konzern für 2015 insgesamt 5,2 Milliarden Euro an Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen vor. Eine weitere Milliarde kommt für den geplanten Jobabbau hinzu: Im eigenen Haus sollen unterm Strich 9000 Arbeitsplätze wegfallen, 4000 davon in Deutschland. Inklusive der Trennung von der Postbank schrumpft die Belegschaft von zuletzt gut 100 000 Mitarbeitern um ein Viertel.

Veraltete Software


Die Kosten für Neuausrichtung und Abfindungen belasten das Ergebnis im vierten Quartal mit rund 800 Millionen Euro - vor allem im Privatkundengeschäft. Weil die Software veraltet ist, schreibt die Bank in dem Bereich zudem weitere 100 Millionen Euro ab.
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