Deutsche Bundesbank: Lage in Griechenland ist "weiter besorgniserregend"
Athen läuft die Zeit davon

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht die Lage in Griechenland äußerst kritisch. Bild: dpa
Griechenland ist aus Sicht der Deutschen Bundesbank massiv von einer Staatspleite bedroht. "Die Lage in Griechenland ist weiter besorgniserregend", betonte die Notenbank am Montag in Frankfurt. Allein im Juni muss Athen in drei Raten gut 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Zudem müssen Staatspapiere mit kurzfristiger Laufzeit (T-Bills) im Volumen von 5,2 Milliarden Euro neu finanziert werden. "Es gibt Probleme. Wir verheimlichen sie nicht", sagte der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis. Athen werde alle Verpflichtungen im In- und Ausland erfüllen, aber auch die Geldgeber müssten "konsequent" ihren Teil erfüllen. Bis Ende Mai müsse es eine Lösung geben.

Nach Angaben der Bundesbank sind Griechenland und die Banken des Landes derzeit nur deshalb zahlungsfähig, weil die Institute mit Notkrediten der Zentralbank versorgt werden. Finanzkreisen zufolge wurde dieser Rahmen zuletzt auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet. Damit stopft die Notenbank die Löcher, die Finanzinstituten durch milliardenschwere Abflüsse entstehen - besorgte Bürger und Unternehmen räumen ihre Konten leer. Mit den Notkrediten kaufen die griechischen Banken immer wieder neue T-Bills nach, wenn die Vorgängerpapiere fällig werden. Diese Praxis sieht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisch: "Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Ordnung." Auf normalem Weg bekommen die Finanzinstitute des Landes kein frisches Geld mehr von der Europäischen Zentralbank (EZB).
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