Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik empfiehlt Hilfsmittel für barrierefreies Leben
Von der Bettleiter bis zum Katapultsitz

Alles im Griff: Einige Boden-Decken-Stangen haben Haltebügel, an denen Senioren sich gut vom Sofa hochziehen können. Bild: Rehastage

Für Ältere ist das Aufstehen oft ein Kraftakt. Aber es gibt spezielle Hilfsmittel, die es ihnen leichter machen, wieder vom Sessel, Bett oder WC hochzukommen.

Die Palette reicht vom einfachen Haltegriff bis zum elektrisch gesteuerten Sessel. Bei der Auswahl achten Senioren und Angehörige am besten auf Siegel wie das CE-Zeichen, rät Karin Dieckmann vom Verein Barrierefrei Leben in Hamburg. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) prüft Hilfsmittel und vergibt ein eigenes Siegel.

Senioren sollten Aufstehhilfen beim Kauf etwa im Sanitätshaus in die Hand nehmen und eventuell ausprobieren. Bei Billigangeboten im Internet ist dagegen eine gesunde Skepsis angebracht. "Bloß kein Wackelzeug kaufen", warnt Dieckmann. Hält zum Beispiel ein Haltegriff an der Badewanne nicht, kann das zu schlimmen Stürzen führen. Wichtig sei auch, die angegebenen Belastungsgrenzen bezüglich des Körpergewichts zu beachten und Halterungen von einem qualifizierten Fachmann anbringen zu lassen.

Keine Hemmungen

Wenn ältere Verwandte nicht mehr so sicher auf den Beinen sind, müssen Angehörige mitunter auch erst ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. "Da gibt es oft Hemmungen", erklärt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. "Wir sehen da großen Handlungsbedarf." Einige Ältere sperrten sich dagegen, wenn die Enkel mit speziellen Hilfen für Senioren anrücken. Schließlich gilt niemand gerne als gebrechlich. "Dabei ist es keine Schande, solche Hilfen zu nutzen." Zur Not sollten Angehörige sich an den Hausarzt wenden - er könne in dieser Sache gut vermitteln.

Vorab klären Senioren am besten mit ihrer Kranken- oder Pflegekasse die Kostenübernahme. Für gesetzlich Krankenversicherte gibt das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes eine Orientierung. Es ist online abrufbar und listet Hilfsmittel auf, die von den Kassen in der Regel bezahlt oder bezuschusst werden, wenn der Arzt sie verordnet. Letztlich ist es aber eine Einzelfallentscheidung, und Ausnahmen von der Liste sind möglich, erklärt Verbandssprecherin Claudia Widmaier. Da Hilfsmittel auch leihweise überlassen werden, kann es sich um gebrauchte Produkte handeln.

Sessel, Stuhl und Sofa: Um besser vom Stuhl hochzukommen, sind Keilkissen als Sitzerhöhung ein einfaches Hilfsmittel. Sie lassen sich auch gut für unterwegs mitnehmen. Ein Berg von gewöhnlichen Kissen auf dem Sofa ist aber keine gute Idee - das werde schnell instabil, erklärt Sibylle Liebchen-Offt vom Verein Barrierefrei Leben in Hamburg. Oft ist es besser, das Sofa von unten zu erhöhen. Das geht zum Beispiel mit ein paar Backsteinen.

Außerdem gibt es Katapultsitze: Sie erleichtern das Aufstehen, indem sich die Sitzfläche hochschiebt, sobald Senioren einen Mechanismus betätigen. Bei einigen Modellen lassen sich sechs verschiedene Gewichtsklassen einstellen. Elektrische Varianten haben den Vorteil, dass man zwischendurch anhalten kann. Dafür sind sie teurer - und man braucht eine Steckdose in der Nähe.

Daneben bieten sich Haltegriffe zum Hochziehen für den Sessel an. Eine Alternative ist eine Stange, die vom Boden zur Decke geht, erklärt Manuela Preinbergs. Sie macht die Pressearbeit für die Messe Rehacare in Düsseldorf, auf der im September entsprechende Hilfsmittel gezeigt wurden. Und es gibt elektrisch gesteuerte Gestelle wie den Lifty von Wendt, die unter den Sessel montiert werden und ihn bei Bedarf schräg anheben. Noch mehr Technik steckt in Aufstehsesseln, bei denen sich Lehne und Fußteil automatisch steuern lassen.

Bett: Eine einfache Hilfe ist eine Strickleiter fürs Bett. Mit solchen Bettleitern können Senioren sich morgens Stück für Stück hochziehen, erkärt Preinbergs. Neben Modellen mit Holzstücken werden auch Varianten angeboten, die ganz aus festem Stoff sind - etwa die Readygrip von Handicare. Die Leiter wird am besten am Bettende festgemacht, nicht an der Decke, rät Sibylle Liebchen-Offt.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Gittern und Griffen zum Hochziehen, die am Bett befestigt werden. Auch hier eignet sich eine Boden-Decken-Stange. Bettgalgen, von denen ein Griff herunterbaumelt, sind dagegen nicht für jeden geeignet. "Das kann sehr auf die Schulter gehen", sagt Liebchen-Offt. Die technisch aufwendigste Lösung sind spezielle Pflegebetten, bei denen der Lattenrost automatisch verstellbar ist, fügt Preinbergs hinzu.

Bad: Haltegriffe für das Bad gibt es in vielen Varianten. Neben fest montierten finden sich Modelle mit Saugnäpfen wie die Serie Mobeli von der Firma Roth, die sich bei Bedarf an anderer Stelle platzieren lassen, erklärt Preinbergs. Generell ist bei Saugmodellen die Frage, ob die Wand für sie geeignet ist und sie stabil genug sind. Das sollte regelmäßig getestet werden, rät Liebchen-Offt.

Für die Toilette bietet sich ein Gestell mit Armlehnen zum Aufstützen an. Bei einigen Modellen lassen diese sich bei Bedarf herunter- und wieder hochklappen. Außerdem erleichtern erhöhte Toilettensitze aus Kunststoff das Aufstehen. Hierbei sei es aber schwierig, sie richtig sauber zu halten, erklärt Liebchen-Offt. "Das kann zu hygienischen Problemen führen." Für die Badewanne werden außerdem spezielle Lifts angeboten, ergänzt Preinbergs. Sie sehen aus wie eine Art Klappstuhl, der in der Wanne befestigt wird. Der Sitz lässt sich bei Bedarf herunter- und hochfahren, damit Ältere leichter ein- und aussteigen können.
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