Deutsche keine Renditejäger

Es wird laut Sparkassen-Umfrage dauern, bis sich das "Volk der Sparer" umstellt. Anlageformen wie Aktienfonds sind aber im Kommen. Bild: dpa

Das klassische Festgeld wirft kaum noch Zinsen ab. Zeit zum Umdenken. Doch an Aktien trauen sich die konservativen Deutschen noch immer nicht so recht ran.

Wenn es ums Geld geht, gehen die Deutschen lieber auf Nummer sicher. In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen aber lässt sich mit einer konservativen Strategie nur schwierig Geld scheffeln. Denken sie jetzt um? "Sparen ist ein Thema, aber das Niedrigzinsumfeld macht es verdammt schwer", räumt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon ein.

Insgesamt ließen sich die Bundesbürger ihre Lust am Sparen zwar nicht nehmen und legten weiter mehr als neun Prozent des verfügbaren Einkommens zurück. Jeder Vierte aber spare überhaupt nicht mehr - weder fürs Alter noch fürs Auto oder ein eigenes Haus.

Vielen mache Sorgen, dass bewährte Geldanlagen kaum noch etwas zum Aufbau des Vermögens beitragen, sagt Fahrenschon. Doch trotzdem lösen sich die Verbraucher nicht von Sparbuch, Festgeld und Co. Im Gegenteil: Laut Bundesbank ist der Anteil der als sicher geltenden Anlagen seit der Krise sogar noch gestiegen. Die Experten führen das im aktuellen Monatsbericht auf eine "ausgeprägte Risiko-Aversion" zurück. Echte Renditejäger sind die Deutschen eben nicht. Hohe Renditen sind ihnen zwar nicht egal, doch sie gehören nur für 27 Prozent zu den wichtigsten Faktoren beim Vermögensaufbau. Viel wichtiger sind Sicherheit und Flexibilität, zeigt die Sparkassen-Umfrage. Für viele muss angelegtes Geld auch spontan verfügbar sein. "Die privaten Haushalte gehen sehr abgeklärt mit den niedrigen Zinsen um", lobt Fahrenschon.

Mittelschicht konservativ

Vor allem die Mittelschicht - Leute mit monatlichem Haushaltseinkommen zwischen 1500 und 2500 Euro - setzt auf klassisches Sparen. Sie hat mehr Lebensversicherungen, mehr Sparbücher, weniger Aktien als der Durchschnitt. Anlageformen, die, wie der Sparkassenpräsident formuliert, "besonders unter dem Druck der niedrigen Zinsen stehen". Aktien dagegen rückten nur sehr langsam, "mit Augenmaß", in den Fokus. "Es gibt keine Flucht ins Wertpapier."

Ein wenig mutiger könnten die Deutschen aber schon sein, meint "Finanztest"-Chefredakteur Heinz Landwehr. Weltweit breitgestreute Aktien gehörten zu den besten Anlageformen. Wer neben seinem Festgeld rund 25 Prozent in Fonds anlege, gehe kein wesentlich größeres Risiko ein, könne aber wesentlich mehr Rendite erwarten.

Glaubt man dem Vermögensbarometer der Sparkassen, kommt das langsam auch bei den Verbrauchern an. Zwar halten sie Immobilien für das beste Mittel zum Vermögensaufbau. Zugleich aber verlieren Sparbücher, Bausparverträge, Lebensversicherungen und Festgeld an Bedeutung. Inzwischen nennen 24 Prozent (2014: 17) Fonds als gute Anlageform.
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