Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sucht das Gespräch mit der Öffentlichkeit: als Weg ...
Landwirte wollen keine Regulierung durch den Staat

"Die Menschen haben ein nostalgisches Bild von der Landwirtschaft", erklärte Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer. Bild: Hinterberger
Regensburg. (ehi) "Die Grenze staatlichen Handels ist dort zu suchen, wo lokale Strukturen Aufgaben besser lösen können und umgekehrt" - mit diesen Worten beschrieb Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), auf den DLG-Unternehmertagen im Kolpinghaus die optimale Beziehung zwischen Staat und Landwirtschaft. Unterstützung bekam er von Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer: "Wir wollen Landwirte als Unternehmer und keine staatlich bezahlten Landschaftspfleger."

"Der Staat soll nur die Dinge tun, die er besser kann als wir anderen. Wenn er aber anfängt meine Tiere zu füttern, dann ist das der Moment, an dem ich ihm sage, er solle das denen überlassen, die es besser können", betonte Bartmer, der sich klar gegen eine staatliche Regulierung aussprach. "Der Staat ist kein verlässlicher Geschäftspartner", erläuterte er. Butterberge und Milchseen hätten in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass die Politik über keine Instrumente verfüge, die Märkte dauerhaft zu beeinflussen.

Um in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten zu können, seien auf beiden Seiten Realismus, Disziplin und Anstrengung nötig, meinte Bartmer. So wie die Politik realistisch die staatlichen Möglichkeiten, die Reichweite und die Präzision ihrer Instrumente abschätzen müsse, habe sich der Unternehmer durch verantwortungsvolles Handeln den Raum zu verdienen, den ihm der Staat und die Gesellschaft für sein Geschäft lasse.

Vertrauen verdienen

"Unternehmerische Gestaltungsfreiheit muss verdient werden", erklärte Bartmer weiter. Sie würde von der Gesellschaft dann zugestanden werden, wenn der Sektor zeige, dass er mit dieser Freiheit und den ihm übertragenen Ressourcen verantwortungsvoll umgehe. "Wir müssen gesellschaftliches Vertrauen gewinnen durch unser Handeln, auch indem wir über die Art, wie wir produzieren, mit der Gesellschaft auf Augenhöhe sprechen", sagte Bartmer. "Die Menschen haben ein nostalgisches Bild von der Landwirtschaft", stimmte ihm Bittlmayer zu. Sie müssten deswegen darüber aufgeklärt werden, was Landwirte tatsächlich machen.

Ehrliche Kommunikation

Die Haltung der Gesellschaft gegenüber hochtechnisierter, leistungsorientierter und moderner Landwirtschaft sei zu einem Kernproblem der deutschen Landwirtschaft geworden, ergänzte Christian Stockinger, Vizepräsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in München.

In den Augen der Öffentlichkeit würden in Massenbeständen Tiere gequält, großflächig Böden verseucht und Grundwasser vergiftet. Es sei deswegen ein wichtiges Ziel zur Zukunftssicherung der Landwirtschaft in Deutschland, dass es gelinge, die Interessen einer hochprofessionellen Agrarwirtschaft mit den Vorstellungen der Gesellschaft in Deckung zu bringen.

Sorgen ernst nehmen

Die Erfahrung, dass es am meisten bringe, mit den Menschen direkt zu reden, machte auch Wolfgang Meier, Schweinehalter aus Exertal (Nordrhein-Westfalen). Nachbarn hatten gegen die Erweiterung seines Schweinemastbetriebs geklagt.

Eine offene, zielstrebige und ehrliche Kommunikation sei das Maß der Dinge, erklärte Meier: "Reden, reden, reden. Sorgen ernst nehmen und versuchen zu verstehen, gemeinsam Lösungen suchen, aber klar Grenzen aufzeigen", beschrieb er die Kommunikation mit seinen Nachbarn. Seitdem er diesen Weg gehe, habe sich sein Verhältnis zu diesen deutlich verbessert.
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