Deutsche Top-Ökonomen gehen mit Beschlüsse der EZB hart ins Gericht
„Stützung von Zombie-Banken“

Berlin. Die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) stoßen bei führenden Ökonomen in Deutschland auf massive Kritik. Der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, sein designierter Nachfolger Clemens Fuest, derzeit Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, sowie der Wirtschaftsweise Lars Feld äußerten in der "Bild"-Zeitung völliges Unverständnis für die Entscheidungen der Währungshüter. "Die EZB verleiht jetzt Geld zu einem negativen Zins von bis zu 0,4 Prozent an die Banken", sagte Sinn. "Das ist eine verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten." Die EZB hatte am Donnerstag überraschend den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent gesenkt. Zugleich pumpt die Notenbank noch mehr Geld in den Markt und brummt Finanzinstituten, die Geld bei ihr parken, künftig 0,4 statt 0,3 Prozent Strafzinsen auf. Damit will die EZB die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln und so Konjunktur und Inflation anschieben. "Wir sehen, dass Länder wie Italien trotz des Zinstiefs keine Reformen durchführen und Ausgaben eher noch erhöhen", sagte Feld der Zeitung. Fuest warnte, die Risiken der Beschlüsse seien größer als die Chance, dadurch die Konjunktur anzukurbeln. EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio verteidigte die Beschlüsse. Wenn nicht die Geldpolitik im Kampf für mehr Wachstum und gegen eine zu hohe Arbeitslosigkeit hilft, "was dann?", fragte er in einem auf der Internetseite der EZB veröffentlichten Artikel. In der öffentlichen Diskussion werde die Schlussfolgerung gezogen, dass die Geldpolitik kaum Wirkung zeige, weil die Inflation nach wie vor sehr schwach sei, so Constâncio. Dabei werde aber vergessen, dass die Preisentwicklung ohne die Maßnahmen der EZB noch viel schwächer wäre.

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